Kino-Review: Black Swan

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Regie: Darren Aronofsky

Darsteller: Natalie Portman, Vincent Cassel, Barbara Hershey, Mila Kunis, Winona Ryder

Laufzeit: 103 Minuten

Kinostart in Deutschland: 20. Januar 2011

FSK: ab 16 Jahren

 

Zur Handlung:

Die junge Ballerina Nina Sayers (Portman) hat nur einen Traum: Bei der Aufführung des Schwanensees möchte sie die Hauptrolle der Schwanenkönigin übernehmen. Ihr Vorbild ist dabei die ältere Tänzerin Beth MacIntyre (Ryder), die nach der anstehenden Saison ihre Karriere beenden will.

Um die Rolle der Schwanenkönigin spielen zu können, muss Nina sowohl den fragilen weißen Schwan als auch den lasziven, verführerischen schwarzen Schwan verkörpern können. Beim Vortanzen bemerkt ihr Direktor, Thomas Leroy (Cassel) jedoch, dass Nina für die Rolle des schwarzen Schwans die Leidenschaft fehlt. Nina versucht, ihn umzustimmen, wird dabei von Thomas geküsst und beisst ihm in die Lippe. Daraufhin entscheidet sich Thomas, ihr doch die Rolle zu geben.

Nach der Vorstellung von Nina als neuer Primaballerina kommt es zur Konfrontation mit Beth, welche Nina vorwirft, die Rolle erlangt zu haben, indem sie mit Thomas geschlafen hat. Beth wirft sich noch am selben Abend vor ein Auto, überlebt aber schwer verletzt.

In der Folgezeit beginnt für Nina der harte Kampf, sich in die Rolle des schwarzen Schwans hinein zu versetzen. Nicht leicht für eine Frau, die von ihrer Mutter (Hershey), die in ihrer Jugend ebenfalls Tänzerin war, überbehütet wird. Dieser Druck hat Folgen: Einerseits entwickelt Nina einen Juckreiz, der immer wieder zu einer Wunde an ihrer Schulter führt, zum anderen beginnt sie, paranoid zu werden. Am meisten fürchtet sie sich, dass die junge Lily (Kunis), die von der Westküste nach New York gekommen ist, ihr ihren Platz streitig machen könnte. Lily versucht jedoch, sich mit Nina anzufreunden und geht mit ihr auch an einem Abend weg. Dabei nehmen beide Frauen Drogen zu sich und lernen Männer kennen. Als Nina und Lily schließlich in Ninas Wohnung zurück kehren, haben sie miteinander Sex.

Als Nina am nächsten Tag verspätet zur Probe erscheint, erkennt sie mit Schrecken, dass Lily bei einer Durchlaufprobe die Rolle des schwarzen Schwans übernommen hat. Nina konfrontiert Lily und fragt diese, warum sie Nina nicht geweckt hat, bevor sie das Haus verlassen hat. Lily entgegnet ihr darauf, dass sie die Nacht mit einem der Männer verbracht hat, woraufhin Nina realisiert, dass sie halluziniert hat.

Dabei bleibt es allerdings nicht: In späteren Halluzinationen hört sie die Bilder ihrer Mutter sprechen und zerstört diese im Anschluss. Aus der Wunde an ihrer Schulter zieht sie eine schwarze Feder heraus, und schließlich verwandeln sich ihre Beine in die eines schwarzen Schwans. Nina stürzt, stößt sich den Kopf und bleibt bewusstlos liegen.

Als sie am nächsten Tag, am Tag der Premiere, erwacht, hat ihre Mutter sie in ihrem Zimmer eingeschlossen und das Theater informiert, dass Nina nicht kommen könnte. Daraufhin kommt es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter, und Nina schafft es mit Hilfe von Gewalt, die Wohnung zu verlassen. Im Theater angekommen erfährt sie, dass ihre Zweitbesetzung Lily für sie auftreten soll, kann sie Thomas mit einen ungewohnt harten Ton überzeugen, dass sie doch auftreten kann.

Im ersten Akt tanzt sie als weißer Schwan, ist jedoch unkonzentriert und stürzt schließlich. Als sie danach in die Umkleide zurückkehrt, sieht sie Lily, die anbietet, für Nina den schwarzen Schwan zu tanzen. Zwischen den beiden Frauen kommt es zu einem Handgemenge, in dem Nina Lily schließlich mit einer Spiegelscherbe niedersticht. Lily verblutet.

Zum nächsten Akt kehrt Nina als schwarzer Schwan auf die Bühne zurück und tanzt diesen makellos; in ihrer eigenen Vorstellung wachsen ihr auch schwarze Federn, und zum Ende hin verwandelt sie sich tatsächlich in einen schwarzen Schwan. Aus dem Publikum gibt es Standing Ovations, und mit einem zufriedenen Gefühl kehrt Nina zurück in ihre Umkleide. Als dort jedoch Lily auftaucht und ihr zu ihrer Leistung gratuliert, erkennt sie, dass auch der Kampf zwischen den beiden lediglich eine ihrer Halluzinationen war – tatsächlich hat sich Nina bei dem Kampf selbst verletzt.

Zum letzten Akt tanzt Nina wieder im Kostüm des weißen Schwans und tanzt diesen perfekt. Nach ihrem finalen Abgang stürmen ihre Kollegen und Thomas auf sie zu und wollen ihr zu ihrer Leistung gratulieren. Dann bemerken sie jedoch die Wunde auf Ninas Bauch, und Thomas verlangt nach einem Notarzt. Thomas fragt Nina, was sie gemacht habe, und mit einem letzten Lächeln entgegnet diese: “Ich war perfekt”, bevor das Bild langsam weiß wird…

 

Kritik:

Die Geschichte von “Black Swan” zeigt eindeutige Parallelen zur Karriere von Natalie Portman auf: Wenngleich sie schon früher wenig unschuldige Figuren gespielt hat, so wirkte sie bislang eher wie die Hauptfigur Nina: unschuldig, zerbrechlich, ein perfekter weißer Schwan. Umso erstaunlicher ihre Performance in “Black Swan”, wo sie viele ihrer bisherigen Tabus über Bord geworfen hat: Nacktszenen? Sexszenen? Sinnliche Laszivität? Was bislang im Zusammenhang mit Portman undenkbar war, hat sie hier verkörpert. Insoweit ist nicht nur ihr Charakter, sondern auch sie selbst in den schwarzen Schwan verwandelt worden. Welchen physischen Einsatz sie dafür geleistet hat, zeigt sie dieses Mal auch sehr offen: Um eine Ballerina spielen zu können, hat sie viel Körpergewicht verloren, gleichzeitig aber an Muskulatur am Rücken und den Beinen zugelegt. Dennoch wirkt sie graziler, zerbrechlicher, genau wie die Figur, die sie verkörpert. Dadurch wird sie aber sehr authentisch, und der Zuschauer kann sich sehr gut in die Gefühlswelt der Protagonistin hineinversetzen.

Um dies zu erreichen, zieht Regisseur auch alle Register denkbarer visueller Umsetzung. Anstatt den Wahn zumindest teilweise subtil darzustellen, wird der Zuschauer durch die pure Wucht visueller Effekte erdrückt. An manchen Stellen mag das beeindruckend wirken, an anderen Stellen, z.B. bei der vermeintlichen Transformation Ninas in ihrem Schlafzimmer wirkt es eher plump. So erinnert die Szene, als Nina aus ihrer wunden Schulter eine schwarze Feder gezogen hat, an den David Cronenberg-Klassiker “Die Fliege”, was für einen Horrorfilm zwar passend erscheint, aber nicht für einen Psycho-Thriller wie “Black Swan”. Aber auch an anderen Stellen versucht Aronofsky mit eher plumpen Schockeffekten zu punkten, was zu der Thematik des Films nur bedingt passt.

Musikalisch vertraut der Regisseur auf seinen Haus und Hof-Komponisten Clint Mansell. Im Gegensatz zu früheren Kooperationen (bspw. “Requiem for a Dream”) kann sich Mansell jedoch nicht so frei entfalten wie sonst, wird ihm doch durch Tschaikowskys “Schwanensee” das Leitmotiv des Films quasi vorgegeben. Dennoch überzeugt der Score, und auch der nicht auf dem offiziellen Soundtrack erscheinende Mix der Chemical Brothers passt gut zum Film. Dagegen ist die Kameraführung an manchen Stellen etwas enttäuschend: Der Verzicht auf eine Steadycam bei den Szenen, bei denen Nina durch die Straßen geht, sorgt beim Zuschauer aufgrund der Bildschwankungen eher für Irritation und vielleicht sogar für Übelkeit.

Abgesehen von der bereits oben angesprochenen One-Woman-Show Natalie Portmans können die übrigen Darsteller ihr ganzes Potenzial nicht ausschöpfen. Dafür sind ihre Charaktere zu eindimensional und zu unbedeutend. Eigentlich schade, da so eine gute Darsteller-Riege eher austauschbar wirkt.

 

Fazit:

“Black Swan” wurde für insgesamt 5 Oscars nominiert: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin, Beste Kamera, Bester Schnitt. Mit Fug und Recht kann man wohl behaupten, dass Natalie Portman den Oscar als beste Hauptdarstellerin sicher haben dürfte – keine ihrer Konkurrentinnen lebt ihre Rolle so intensiv aus wie sie. Was die anderen Oscars angeht, so dürften meiner Meinung nach vor allem die Coen-Brüder mit “True Grit” mehr Chancen auf einen Erfolg haben.

Vom Oscar abgesehen handelt es sich bei “Black Swan” um einen guten, wenngleich nicht sehr guten Thriller, der zeigt, welche Folgen Leistungsdruck auf eine sensible Person haben können. Gerade Natalie Portman, die für viele wie ein reales Vorbild ihres Charakters Nina erscheint, macht den Film durch ihr intensives Spiel und das Ausloten ihrer eigenen Grenzen besonders sehenswert. Allerdings sollte man nicht mit einer zu großen Erwartungshaltung in den Film gehen, da er zwar zu den besseren Filmen des Jahres 2011 gehören dürfte, aber vermutlich noch weit davon entfernt ist, der beste Film des Jahres zu sein.

 

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sneak Review: Fasten auf Italienisch

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Regie: Olivier Baroux

Darsteller: Kad Merad, Valerie Benguigui, Roland Giraud, Philippe Lefebvre, Guillaume Gallienne, Sid Ahmed Agoumi, Farida Ouchani, Saphia Azzeddine, Karim Belkhadra

Laufzeit: 102 Minuten

Kinostart in Deutschland: 13. Januar 2011

FSK: ab 0 Jahren

 

Zur Handlung:

Dino Fabrizzi (Merad) ist ein Italiener, wie er im Buche steht: Glatze, modischer Bart, gepflegtes Auftreten, charmant, hört gerne italienischen Schlager und fährt Maserati. Das Problem: Dino heißt eigentlich Mourad Ben Saoud, kommt aus einer algerisch-stämmigen Familie und arbeitet als Autoverkäufer bei einem Maserati-Händler in Nizza. Seiner Familie gaukelt er vor, er würde in Rom arbeiten, und jedes Mal, wenn er seine Familie am Wochenende besuchen will, fährt er zum Flughafen von Marseille, wo er sich von seiner Mutter Rachida (Ouchani) und seiner Schwester Amel (Azzeddine) abholen lässt.

Mourad kann sein Doppelleben so lange genießen, bis sein Vater Mohamed (Agoumi) einen schweren Herzinfarkt erleidet. An dessen Krankenbett verspricht Mourad, an seiner Statt den Ramadan einzuhalten. Schwierig für jemanden, der zwar viel Erfahrung hat mit italienischen Traditionen, aber völlig vergessen hat, wie die eigenen religiösen Sitten aussehen…

 

Kritik:

Regisseur Olivier Baroux wagt sich an ein schwieriges Thema: Integration von Immigranten in die Gesellschaft. Dennoch gelingt es dem Cast, den Spagat zwischen den komischen Momentan und den eher tragischen Situationen auszuhalten, ohne dass man ins Lächerliche oder ins Pathetische abdriftet.

Kad Merad (der selbst Kaddour Merad heißt und aus ähnlichen Gründen wie sein Film-Alter Ego seinen Vornamen verkürzt hat) brilliert in der Rolle des weltoffenen, charmanten Italieners, der eigentlich ein Algerier mit starkem Bezug zu seiner Familie ist, der allerdings durch sein verweltlichtes Leben keinerlei Bindungen mehr zu seiner Religion hat. So sorgt es für belustigende Momente, als man sieht, wie sich Mourad mit dem Buch “Der Islam für Dummies” auseinander setzt, sich mit dem Imam (Belkhadra) über das Leben im Ramadan unterhält, sich verzweifelt seiner Freundin Helene (Benguigui) verweigern will und im Job wegen des für ihn ungewohnten Rhythmusses immer gereizter reagiert. Andererseits kann der Zuschauer genauso bewundernd realisieren, wie sehr sich Mourad in den Ramadan hinein steigert und dadurch sogar einen anderen Blick auf sein Leben bekommt. Merad, vielen vielleicht noch aus “Willkommen bei den Sch’tis” oder “22 Bullets” ein Begriff, kann durch seine eigenen Erfahrungen mit dem Thema Integration die Figur des Mourad absolut glaubwürdig verkörpern und ist nicht zu unrecht der zentrale Star dieses Films, bei denen die anderen Charaktere wirklich nur Zuarbeiter für die Hauptfigur sind.

Interessant ist auf jeden Fall der Blick auf die zugrunde liegende Problematik: Wie Mourads Mutter gegen Ende des Films sagt, wurden die Immigranten aus dem Maghreb in erster Linie nur geduldet und mussten “den Kopf unten halten”. Dies ist auch die Aussage dieses Films, schließlich musste sich Mourad ein Alter Ego zulegen, um letztlich von der Gesellschaft anerkannt zu werden. Daran ändert sich auch im weiteren Verlauf der Story wenig, die somit nur den Status Quo bestätigt und keinerlei Entwicklung zeigt.

 

Fazit:

“Fasten auf italienisch” ist eine kleine, nette, wenngleich vorhersehbare Komödie, die auf angenehme Weise mit den unterschiedlichen Nationalitäten und den dazu passenden Klischees spielt. Hinzu kommen wunderschöne Landschaftsaufnahmen von der französischen Mittelmeerküste und ein klasse Soundtrack, der verständlicherweise von italienischem Schlager dominiert wird, was aber sehr gut zum Film passt. Zwar kein Film, der ein unbedingter Must-See im Kino ist, den man aber spätestens im TV genießen sollte.

 

Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Sneak-Review: Wie durch ein Wunder

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Regie: Burr Steers

Darsteller: Zac Efron, Charlie Tahan, Amanda Crew, Kim Basinger, Ray Liotta, Donal Logue, Augustus Prew

Laufzeit: 100 Minuten

Kinostart in Deutschland: 07.10.2010

FSK: ab 6 Jahren

Zur Handlung:

Wir schreiben das Jahr 2005. Charlie St. Cloud (Efron) ist ein Gewinner-Typ. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Sam (Tahan) gewinnt er eine Segelregatta und damit ein Stipendium für die Stanford-Universität. An dem Abend, an dem er sich eigentlich von seinen Freunden verabschieden wollte, muss er jedoch auf Sam aufpassen, da seine Mutter (Basinger) arbeiten muss. Charlie schleicht sich dennoch raus, muss dann aber doch seinen Bruder mitnehmen. An einer Kreuzung muss Charlie warten, jedoch wird sein Auto erst von einem Jeep gerammt und auf die Gegenfahrbahn geschleudert, wo sie von einem entgegenkommenden Lastwagen erfasst werden. Als die Rettungskräfte eintreffen, schafft es der Sanitäter Florio Ferrente (Liotta), Charlie zu reanimieren – aber Sam stirbt. Bei der Beerdigung soll Charlie Sams Baseballhandschuh in das Grab legen, schafft es aber nicht, sondern rennt in die Wälder, wo er zusammenbricht. Auf einer Lichtung trifft er auf Sams Geist, dem er verspricht, jeden Abend wiederzukommen und mit ihm Baseball zu spielen.

5 Jahre später: Charlie hat sein Stipendium nicht angenommen und arbeitet nun als Gärtner auf dem Friedhof zusammen mit seinem Freund Alistair (Prew). Dabei begegnet er seiner ehemaligen Mitschülerin Tess (Crew), die demnächst an einer Weltumsegelung teilnehmen will. Eines Abends kommen die beiden ins Gespräch, das Tess aber nach kurzer Zeit beendet, da sie am nächsten Tag trainieren muss. An jenem Tag entscheidet sie sich, gegen den Willen ihres Trainers (Logue) das Boot in einem Sturm zu testen. Gleichzeitig begegnet Charlie seinem Retter Ferrente erneut, der ihn in einem Gespräch zu erklären versucht, dass er wieder beginnen soll zu leben. Charlie zeigt sich davon unbeeindruckt, schaut sich aber dennoch an, wie Tess den Hafen ihrer Heimat verlässt, um zu jenem Training aufzubrechen.

Am nächsten Tag findet Charlie Tess am Grab ihres Vaters liegen. Er versorgt sie und verabredet sich mit ihr, und langsam entwickelt sich eine zarte Romanze zwischen den beiden. Diese endet jedoch, als er eines Abends fast zu spät zum Treffen mit Sam gekommen wäre, weswegen Sam ihm vorwirft, Charlie würde ihn langsam vergessen. Am nächsten Tag erfährt Charlie jedoch, dass Tess von ihrer Trainingsrunde nicht zurückgekehrt ist und seitdem vermisst wird. Als er am Abend mit Sam darüber spricht, erkennt er, dass sie noch am Leben sein muss und bricht zusammen mit Alistair und Tess’ Trainer auf, um nach ihr zu suchen. Die Suche erstreckt sich über einen ganzen Tag, und als er Abends sein Treffen mit Sam endgültig verpasst, entschuldigt sich Charlie bei seinem Bruder. Sam erwidert ihm aus dem Wald, dass er Charlie liebt und fährt auf in den Himmel, nicht ohne Charlie ein Zeichen zu geben, wo das Wrack liegt. An der Stelle, an der das Boot gekentert ist, springt Charlie ins Meer, ohne Tess an Bord des Boots zu finden. Schließlich entdeckt er sie auf einem Felsen, wo er sie mit ihrer Körperwärme am Leben erhält, bis die beiden gerettet werden.

Am Ende kauft sich Charlie ein Boot und beginnt wieder zu segeln. Er lädt Tess ein, mit ihm aufs Meer hinaus zu fahren, doch Tess zögert, da sie aus der Zeit ihrer Bewusstlosigkeit Träume von ihrer Romanze hat. Charlie sagt, dass es Erinnerungen seien und zitiert ein Gedicht, über das sie in ihrer gemeinsamen Zeit geredet haben. Schließlich ergreift Tess seine Hand und steigt mit ihm auf das Boot.

 

Kritik:

Filme mit Herzschmerz und Tod (bzw. dessen Bewältigung) scheinen in letzter Zeit im Trend zu sein. Während “Hinter dem Horizont” in den 1990er Jahren noch eher eine Ausnahme war, gibt es inzwischen mehrere Ansätze, teils romantisch geprägt (so die ganzen Nicholas Sparks-Adaptionen), teilweise auch auf Spannung ausgelegt (wie die bereits von mir rezensierte Adaption des Alice Sebold-Romans “In meinem Himmel”). “Wie durch ein Wunder” ist da keine Ausnahme, basiert dieser Film doch auf dem Roman “The Death and Life of Charlie St. Cloud” von Ben Sherwood. Und genau wie die Sebold-Verfilmung krankt auch dieser Film an mehreren Stellen: Zum einen wird der Konflikt, in dem sich Charlie seit dem Tod seines Bruders befindet, zu lang und zu langatmig aufgebaut. Dass man diese Rolle mit Zac Efron besetzt hat, der zwar als Teenie-Darling in Disney-Produktionen funktioniert, für Charakterrollen aber zu wenig unterschiedliche Gesichtsausdrücke beherrscht (man könnte auch behaupten, er hätte die Schauspielerei bei Steven Seagal erlernt, aber dann müsste er gut kämpfen können), macht die Sache aufgrund der erwähnten Schwächen Efrons nicht besser.

Aber auch der Rest des Cast ist eher enttäuschend: Kim Basingers Auftritt dürfte insgesamt knapp 3 Minuten gedauert haben, und auch Ray Liotta darf sein botoxgestähltes Gesicht nur für 2 Kurzauftritte in die Kamera halten. Abgesehen von Charlie Tahan, der in die fast schon klischeehafte Rolle des teilweise nervigen kleinen Bruders fällt und diese mit zwei Gesichtsausdrücken mehr als Efron verkörpert, wirkten alle anderen Charaktere mehr wie unbedeutende Nebenrollen, auch Tess ist mit Ausnahme der kurzen Romanze eher im Hintergrund zu finden. Dabei kann Amanda Crew immerhin als Augenweide punkten, denn auch sie wird schauspielerisch nicht überfordert.

Wenn es nur an einem schlechten Cast liegen würde, könnte man dem Film vielleicht noch zu Gute halten, dass durch die Besetzung einfach nur viel Potenzial verschenkt worden ist. Leider ist der Plot an sich viel zu langatmig: Von ca. 100 Minuten Film geht eine gefühlte Stunde dafür drauf, Charlies Konflikt aufzubauen, 20 Minuten für die sich entwickelnde Romanze, und erst gegen Ende wird deutlich, wie sich Charlie entscheidet. Die vorhandenen Längen werden leider nur durch viel Kitsch, schwache Dialoge und etliche unfreiwillig komische Szenen aufgefüllt; wirklich starke Momente, bspw. als Charlie mental zusammenbricht und seine Wohnungseinrichtung zerstört, sind leider Mangelware. Zudem sind viele Szenen in dem Film sehr vorhersehbar, und gerade als die Romanze zwischen Charlie und Tess beginnt, ist die Spannung leider schon völlig raus, und eigentlich jedem Zuschauer dürfte dann bereits klar sein, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Die einzige Stärke des Films sind die Landschaftsaufnahmen, die an der Küste von British Columbia gedreht worden sind. Eigentlich bezeichnend, dass einige schöne Bilder das Beste an dem ganzen Film sind.

 

Fazit:

“Wie durch ein Wunder”…diese Wendung lässt sich mit Bezug auf dem Film gleich mehrfach verwenden. “Wie durch ein Wunder”…habe ich es geschafft, diesen Film im Kino zu sehen, ohne einzuschlafen oder beschämt den Saal zu verlassen. “Wie durch ein Wunder”…sind auch die meisten anderen Gäste der Sneak geblieben – wenngleich sie sich fast nur noch über den Film lustig gemacht haben. Dafür waren andere Sachen so vorhersehbar wie der Film selbst: Zum einen, dass sich die weiblichen Zuschauer über Zac Efron gefreut haben, während die männlichen regelmäßig lachen mussten. Zu anderen, dass der Film eigentlich von allen verrissen worden ist. Zu langatmig, zu vorhersehbar, zu kitschig und teilweise zu lächerlich, das sind die 4 Charakteristiken, die den Film auszeichnen. Zudem dürfte die Nachfrage nach Filmen in diesem Genre eigentlich durch die ganzen Nicholas Sparks-Adaptionen befriedigt worden sind. Diese dürften zudem weitaus erträglicher sein, als dieses Machwerk, das mit einem absolut uncharismatischen Hauptdarsteller leben muss und daran scheitert. Mein Tipp: Der Film taugt nicht für einen gemütlichen DVD-Abend, sowas sollte nichtmals bei arte gesendet werden und somit erst recht nicht bei einem der “großen” TV-Sender. Investiert das Geld lieber in andere Filme. Oder lest das Buch, das dürfte (wie eigentlich immer) besser sein als dieser Schund.

 

Bewertung des Films: 2 von 10 Punkten.

 

 

Shoppingtipp:

DVD-Review: Star Wars Episode V: Das Imperium schlägt zurück

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Regie: Irvin Kershner

Darsteller: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Anthony Daniels, Kenny Baker, Alec Guinness, Peter Mayhew, David Prowse

Laufzeit: 122 Minuten

Erscheinungsjahr: 1980

FSK: ab 12 Jahren

Zur Handlung:

Es ist drei Jahre her, seit die Rebellen in der Schlacht um Yavin IV den Todesstern des Imperiums vernichten konnten.

 

 

Sneak Review: I love you, Phillip Morris


Regie: Glenn Ficarra, John Requa

Darsteller: Jim Carrey, Ewan McGregor, Rodrigo Santoro, Leslie Mann

Laufzeit: 102 Minuten

Kinostart in Deutschland: 29.04.2010

FSK: noch nicht geprüft

Zur Handlung:
Steven Russell (Jim Carrey) führt ein unauffälliges Leben. Seine Ehe mit Debbie (Leslie Mann) verläuft harmonisch, er hat eine süße Tochter, ist populär und hat keine Probleme in seinem Job als Polizist. Da er allerdings als Kind adoptiert worden ist, macht er sich auf die Suche nach seiner richtigen Mutter (Marylouise Burke). Als er sie gefunden hat, weist sie ihn jedoch brüsk zurück.
Russell zieht daraufhin mit seiner Familie nach Texas, wo er sich relativ schnell ein erfolgreiches Leben aufbaut. Nachdem er jedoch Opfer eines Autounfalls wird, entscheidet er sich, keine Lüge leben zu wollen, outet sich als homosexuell und verlässt seine Familie, um ein neues Leben zu beginnen. Da sich das Leben mit seinem neuen Partner Jimmy (Rodrigo Santoro) jedoch als sehr kostspielig erweist, beginnt er, um seinen hohen Lebensstandard halten zu können, mit kleineren Betrügereien. Als er dabei jedoch erwischt wird, versucht er zunächst, sich selbst umzubringen, wird jedoch gerettet und landet letztlich im Gefängnis.
Dort begegnet er nach einiger Zeit dem ebenfalls inhaftierten Phillip Morris (Ewan McGregor), dem er sich als Anwalt vorstellt. Nach einiger Zeit werden die beiden ein Liebespaar, wobei Russell seinen Einfluss nutzt, um den beiden das Leben angenehmer zu machen. Nachdem er jedoch verlegt worden ist, wendet er das erstmal Tricks an, um aus der Haft entlassen zu werden und letztlich Morris als dessen Anwalt aus dem Gefängnis heraus zu holen.
Außerhalb des Gefängnisses fangen die beiden ein gemeinsames Leben an. Da Russell jedoch seinem Lebenspartner ein angenehmes Leben bieten will, beginnt er erneut mit Betrügereien. So gibt er erneut vor, ein Anwalt zu sein, um einer ehemaligen Nachbarin von Morris bei einer Klage zu helfen. Später arbeitet er bei einem Unternehmen, das Sozialabgaben verwaltet, und unterschlägt über $ 800.000, bevor er erneut gefasst wird. Bevor er jedoch abgeführt werden kann, hat ihn Morris bereits verlassen.
Im Laufe der folgenden Jahre versucht Russell immer wieder, aus dem Gefängnis auszubrechen, wird aber immer wieder nach kurzer Zeit gefasst. Wobei er bei einem Ausbruchsversuch bis zu Phillip Morris gelangt und diesen dadurch wieder ins Gefängnis bringt.
Kurze Zeit später erfährt Morris jedoch, dass sein ehemaliger Lebensgefährte HIV-positiv ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Er möchte Russell noch ein letztes Mal sehen, erfährt dann aber, dass er bereits in eine Privatklinik verlegt worden ist. Kurz vor Russells Tod darf Morris dann noch einmal mit ihm telefonieren, bevor Russell dann stirbt…
Wie er glaubt, denn Russell hat mit Hilfe von Tabletten und gefälschten Unterlagen seine eigene HIV-Erkrankung und seinen Tod vorgetäuscht, um Morris letztlich erneut befreien zu können. Doch bevor es zur Bewährungsverhandlung kommen kann, wird Russell erneut entdeckt und letztlich zu einer Haftstrafe von 144 Jahren verurteilt.

Kritik:
Was eigentlich nach einer völlig unrealistischen Geschichte klingt, hat sich tatsächlich so abgespielt. Zwischen 1993 und 1998 wurde Steven Jay Russell zu einem der berühmtesten Betrüger und Ausbrecherkönig der USA. Auf der Grundlage seines Lebens hat der amerikanische Autor Steve McVicker das Buch “I Love You Phillip Morris: A True Story of Life, Love, and Prison Breaks” geschrieben, welches wiederum die Vorlage für diesen Film abgeliefert hat.
Verständlicherweise wurden die Zeiträume stark verkürzt dargestellt, und auch die Reihenfolge der einzelnen Ausbrüche und Wiedersehen mit Morris sind nicht zwangsläufig authentisch, allerdings legt der Film wohl auch keinen Wert auf eine realistische Wiedergabe der damaligen Geschehnisse. Vielmehr ist “I love you, Phillip Morris” eine temporeiche und kurzweilige Komödie, bei der zwar auf einige Klischees bzgl. Homosexualität und Gefängnisse eingegangen wird, ohne jedoch in irgendeiner Form homophob zu werden. Jim Carrey passt durch sein chronisches Overacting perfekt in die Rolle eines extrovertierten und selbstbewussten Betrügers, während Ewan McGregor in mir doch gemischte Gefühle erweckt: einerseits bringt er die Rolle des etwas ruhigeren Lovers gut rüber. Andererseits ist Ewan McGregor Obi-Wan Kenobi, neben Yoda wohl der coolste Jedi in der gesamten Star Wars-Republik. Und ihn jetzt als introvertierten, leicht feminin angehauchten Softie zu sehen, zerstört da doch ein Weltbild. Andererseits beweist das auch wieder, was für ein guter Schauspieler McGregor eigentlich ist.
Die Regie liefert einen soliden Job ab, obwohl der Film für beide im Prinzip die erste eigene Regiearbeit darstellt, und auch sonst ist technisch nicht viel an dem Film zu bemängeln. Zwar wird die ganze Liebesgeschichte teilweise auf dem Niveau einer Judd Apatow-Komödie verarbeitet, aber als bewusst überspitzte Darstellung lässt sich damit durchaus leben. Schade ist nur, dass in dem Film House und Techno als typische Musikrichtung von Homosexuellen dargestellt wird. Allerdings schadet dies dem Film genauso wenig wie die eher tragischen Momente, die von den wirklich hervorragend agierenden Akteuren aber auch gut getragen werden.

Fazit:
“I love you, Phillip Morris” ist als Tragikomödie sehr gelungen, wobei man natürlich keine Biographie über das Leben von Steven Jay Russell erwarten darf. Beide Hauptdarsteller füllen ihren Part gut aus, und das flotte Tempo und die kurzweilige Erzählart machen den Film unterhaltsam. Wer sich an homoerotischen Liebesszenen, die doch etwas deftiger sind als bei Brokeback Mountain, nicht stört, kann eine wirklich unterhaltsame Komödie erleben.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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