Kino-Review: Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (3D)

Regie: Peter Jackson

Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Ian Holm, Elijah Wood, Richard Armitage, Ken Stott, Graham McTavish, John Callen, Peter Hambleton, Aidan Turner, Dean O’Gorman, Mark Hadlow, Jed Brophy, Adam Brown, William Kircher, James Nesbitt, Stephen Hunter, Andy Serkis, Sylvester McCoy, Christopher Lee, Cate Blanchett, Hugo Weaving

Laufzeit: 169 Minuten

Kinostart in Deutschland: 13. Dezember 2012

FSK: ab 12 Jahren


In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem feuchten, schmutzigen Loch, wo es nach Moder riecht und Wurmzipfel von den Wänden herabhängen, und auch nicht in einer trockenen, kahlen Sandgrube ohne Tische und Stühle, wo man sich zum Essen hinsetzen könnte: nein, das Loch war eine Hobbithöhle, und das heißt, es war sehr komfortabel.”
Als J.R.R. Tolkien mit diesen Worten 1937 seinen Roman “The Hobbit” veröffentlichte, hat vermutlich nicht einmal er selbst erahnen können, dass er damit einmal eine der bekanntesten Fantasywelten und die Grundlage für eins der größten und erfolgreichsten Filmfranchises erschaffen würde. “Der Hobbit” wurde zu einem Bestseller und genau wie sein Nachfolger “Der Herr der Ringe” letztlich zu einem Klassiker der Jugendliteratur. Auf Grund der detailliert ausgeschmückten Welt und den vielen unterschiedlichen Kreaturen u.v.m. galten beide Geschichten lange Zeit als unverfilmbar – zwar hatte sich Ralph Bakshi schon 1978 an einer Zeichentrickverfilmung des “Herrn der Ringe” versucht, diese umfasst aber nur die Bände “Die Gefährten” und (teilweise) “Die zwei Türme”; zu einer ursprünglich geplanten Fortsetzung durch Bakshi selbst kam es nicht mehr. Erst Ende der 1990er konnte sich Peter Jackson mit seiner Idee einer Realverfilmung aller drei Bände durchsetzen – und schuf damit die erfolgreichste Filmtrilogie der Welt. Ein Einspielergebnis von knapp 3 Milliarden Dollar an den Kinos, 17 Oscars bei 30 Nominierungen – keine andere Filmtrilogie kann mit solchen Zahlen aufwarten. Kein Wunder also, dass man es später Jackson auch zutraute, den Hobbit zu realisieren. Zunächst sollte Guillermo del Toro die Regie übernehmen, doch letztlich wurde Jackson, der eigentlich nur als Ausführender Produzent in Erscheinung treten wollte, übernahm letztlich die Regie, nachdem del Toro aus dem Projekt ausstieg. Und nach langen juristischen Streitereien, Streiks und anderen Terminverzögerungen wurde der Hobbit im Dezember 2012 endlich auf die von seinen Fans lange erwartete Reise geschickt…

Zur Handlung:
Die Geschichte beginnt am Tag von Bilbo Beutlins (Holm) 111. Geburtstag (siehe Der Herr der Ringe – Die Gefährten), als Bilbo vor Beginn der großen Feierlichkeiten beginnt, die Geschichte seiner früheren Reise zu schreiben…
Es ist knappe 60 Jahre her, seit der junge Bilbo (Freeman) Besuch vom Zauberer Gandalf (McKellen) bekommen hat. Bilbo, der in seiner Jugend zwar als abenteuerlustig galt, inzwischen aber in Beutelsend sesshaft geworden ist, wird nach einigen Diskussionen überzeugt, sich der Gruppe zwergischer Abenteurer um Thorin Eichenschild (Armitage) anzuschließen, die auf dem Weg zum Einsamen Berg sind. Auf Anraten Gandalfs soll Bilbo die Zwerge als Meisterdieb begleiten, um sich in die Kammer des Drachen Smaug (Benedict Cumberbatch) zu schleichen und den Drachen letztlich zu vertreiben, doch sowohl die Zwerge als auch Bilbo selbst bezweifeln die Fähigkeiten des Hobbits; Thorin steht dem Hobbit sogar ablehnend gegenüber und bezeichnet ihn mehrmals als Last. Nichtsdestotrotz macht sich die Gruppe auf die Reise, und nach kurzem gelingt es Bilbo, sich mit Balin (Stott), Dwalin (McTavish), Kili (Turner) und Fili (O’Gorman) anzufreunden.
Die Reise verläuft weitestgehend ereignislos, bis sie auf einen verlassenen und zerstörten Bauernhof treffen. Dort verschwinden nicht nur einige ihrer Ponies; als Fili und Kili Bilbo zu einer Feuerstelle schicken, trifft Bilbo dort auf die drei Trolle Bill (Hambleton), Tom (Hadlow) und Bert (Kircher). Beim Versuch, die Ponies zu befreien, wird Bilbo erwischt. Zwar versuchen die Zwerge, ihn zu retten, können sich aber nicht gegen die größeren und stärkeren Trolle durchsetzen und werden ebenfalls gefangengenommen. Daraufhin beschließen die Trolle, Bilbo und die Zwerge zu fressen; da sie sich jedoch nicht einigen können, wie man die Zwerge am besten zubereiten soll, kann Bilbo etwas Zeit schinden, bis Gandalf mit Hilfe der aufgehenden Sonne, die die Trolle zu Stein erstarren lassen, die Gruppe retten kann. In der Höhe der Trolle findet die Gruppe außer Gold auch die Elbenschwerter Orcrist und Glamdring, die Thorin und Gandalf zu ihren Waffen machen, sowie ein langes Messer, das an Bilbo übergeben wird.
In der Zwischenzeit bemerkt der Zauberer Radagast der Braune (McCoy) merkwürdige Dinge im Düsterwald: Tiere verenden qualvoll, überall gibt es riesige Spinnennetze, und von der Festungsruine Dol Guldur scheint eine finstere Macht auszugehen. Als Radagast Dol Guldur untersuchen will, begegnet er einem Nekromanten (Cumberbatch) sowie dem Hexenkönig von Angmar, der Radagast mit einer Morgulklinge angreifen will. Der Zauberer kann dem Angriff jedoch entkommen und flieht geradewegs zu Gandalf, dem er die Klinge übergibt. Anschließend hilft er der Gruppe bei der Flucht vor den angreifenden Orkscharen Azogs (Manu Bennett), einem alten Feind von Thorin.
Die Flucht der Gruppe führt sie schließlich nach Bruchtal, wo ihnen Elrond Unterkunft gewährt und Thorin dabei hilft, eine Karte, die Thron von seinem Vater geerbt hat, zu entschlüsseln. Während sich Bilbo und die Zwerge von den Strapazen der Reise erholen, halten Elrond, Gandalf, Galadriel (Blanchett) und Saruman (Lee) gemeinsam Rat ab. Gandalf schlägt vor, etwas gegen den Nekromanten zu unternehmen, doch Saruman zweifelt an der Faktenlage und kritisiert Gandalf offen für den geplanten Angriff auf Smaug. Galadriel unterstützt Gandalf jedoch, der diesen Rat auch als Ablenkung für Elrond und Saruman nutzt, da die Gruppe in derselben Nacht aus Bruchtal aufbricht.
Im Nebelgebirge übersteht die Gruppe nur knapp den Kampf der Steinriesen und lässt sich dann in einer Höhle nieder. Bilbo, der von Thorins Abneigung ziemlich verletzt ist, will dann die Gruppe verlassen und ins Auenland zurückkehren, doch in diesem Moment öffnet sich ein Spalt im Boden, und die gesamte Gruppe wird von Orks gefangengenommen. Frodo schafft es jedoch nach kurzer Zeit, aus dem Gewahrsam der Orks zu verschwinden, stürzt jedoch zusammen mit einem Ork in einen Abgrund. Dort sieht Frodo, wie der Ork von der Kreatur Gollum (Serkis) verschleppt, getötet und gefressen wird. Als Gollum jedoch den Ork in seine Höhle schleppen will, verliert er dabei einen unscheinbaren goldenen Ring, den Bilbo an sich nimmt. Gollum bemerkt Bilbo, der sich nur mithilfe seines Schwerts gegen Gollum wehren kann und dabei die gespaltene Persönlichkeit Gollums erkennt. Die Beiden einigen sich auf ein Spiel: Gewinnt Bilbo, muss Gollum ihn den Weg aus der Höhe verraten; gewinnt Gollum, muss Bilbo sterben. Das Duell der Beiden ist sehr ausgeglichen, bis Bilbo zufällig den Ring berührt und daraufhin fragt, was er in seiner Tasche habe. Gollum kann dies nicht erraten und verliert; anstatt Bilbo jedoch zu helfen, sucht Gollum nur nach seinem Ring, bemerkt dessen Verschwinden und erkennt, dass Bilbo den Ring an sich genommen haben muss. Er bezeichnet Bilbo als Dieb und will ihn umbringen, jedoch kann sich Bilbo erst verstecken und streift sich kurz vor einer Entdeckung durch Zufall den Ring über den Finger – und wird scheinbar unsichtbar. Unterdessen werden die Zwerge zum Orkkönig (Barry Humphries) gebracht, der die Zwerge foltern und töten will. Dann erscheint jedoch Gandalf, der der Gruppe dabei hilft, den Orkkönig zu töten und aus der Orksiedlung zu entkommen. Dabei laufen sie Bilbo über den Weg, der sich ihnen kurzerhand anschließt und so Gollum entkommt. Gollum schwört den Beutlins daraufhin ewige Feindschaft.
Aus der Höhle entkommen, wird die Gruppe jedoch von Azogs Orks und Wargen angegriffen und auf einen Baum getrieben, der in einen Abgrund zu stürzen droht. Thorin will daraufhin Azog angreifen, wird jedoch überwältigt und soll nun getötet werden. Bilbo springt jedoch dazwischen und rettet so Thorin; bevor nun jedoch Bilbo getötet werden kann, erscheinen von Gandalf gerufene Große Adler, die die gesamte Gruppe aus ihrer Lage befreien und weit mit sich tragen. Als die Gruppe letztlich wieder abgesetzt wird, ist der Einsame Berg bereits in Sichtweite. Thorin entschuldigt sich nach seiner Rettung bei Bilbo für sein früheres Verhalten, bedankt sich bei ihm und erkennt ihn endlich als vollwertiges Gruppenmitglied an. Dann bemerkt die Gruppe eine Drossel, die auf dem Weg zum Einsamen Berg ist und sehen dies als gutes Omen an; die Drossel schlägt, wie in einer alten Prophezeiung der Zwerge, die die Rückkehr zum Berg verheißt, mit einem Stein gegen den Berg, so dass Smaug letztlich erwacht.

Kritik:
Da ist sie also, nach fast 10 Jahren – die Rückkehr nach Mittelerde. Und es scheint, als hätte sich nichts verändert. Die Landschaften sind nach wie vor malerisch, die Figuren scheinen kaum gealtert zu sein (außer Gandalf; scheinbar hat man vergessen, Ian McKellen ein paar Jahre wegzuschminken), und Peter Jackson nimmt uns mit auf ein Abenteuer voller großer Schlachten und wichtiger Entscheidungen. So weit so gut – aber wie schafft es Jackson, ein Drittel eines Romans, der insgesamt kürzer ist als ein Teil des “Herrn der Ringe”, auf fast 3 Stunden aufzublähen? Die Antwort ist relativ simpel: extensives Storytelling. Wo Jackson beim Herrn der Ringe Sequenzen verkürzen oder komplett schneiden musste (z.B. die Episoden im Alten Wald oder die Rückkehr ins Auenland), kann er die Geschichte hier strecken und zusätzliche Nebenplots einbauen, so geschehen beispielsweise mit der Rahmenhandlung, die eine Brücke zum Herrn der Ringe schlagen sollte und uns durch die Verwendung der gewohnten Darsteller Elijah Wood und Ian Holm die Integration in die neue Geschichte erleichtern sollte. Auch der etwas ausführlicher erzählte Hintergrund der Zwerge ist nicht werksgetreu, sorgt aber zumindest für etwas Atmosphäre. Insgesamt ist die Rahmensequenz aber schon sehr lang geraten, bei Nicht-Fans besteht dort durchaus die Gefahr, dass sie durch die Längen am Beginn das Interesse verlieren.
Sobald sich unsere Helden jedoch auf die Reise gemacht haben, wird die Geschichte kurzweilig und überraschend werksgetreu. Zwar wurde die Szene mit den Trollen geändert und die Szenen mit Radagast und dem Weißen Rat ergänzt, dies ist aber durchaus verzeihlich, wenngleich gerade die Szenen mit Radagast relativ kindgerecht wirken und daher auch einen Humor bedienen, den viele erwachsene Zuschauer nicht mehr unbedingt teilen.
Generell scheint sich Jackson ziemlich schwergetan zu haben, für welche Zielgruppe er den Film aufbauen soll. Trivialhumor mit lauten Rülpser wechselt sich ab mit den größtenteils kindgerechten Szenen Radagasts sowie großen Schlachtszenen mit unzähligen Enthauptungen und noch mehr Toten. Ein Spagat, der nicht wirklich gelungen erscheint.
Zu den größten Änderungen dürfte jedoch die Darstellung der Zwerge gehören. Nicht erst seit dem “Herrn der Ringe” gelten Zwerge als Personen mit extrem großen Bärten und einem eher knubbeligen Gesicht. Thorin, Fili und Kili haben jedoch menschlich ebenmäßige Gesichtszüge. Was bei Fili und Kili mit deren Jugend zu erklären ist, dürfte bei Thorin wohl in dessen vornehmer Herkunft begründet sein, ist Thorin im Roman doch einer der ältesten Zwerge. Überhaupt ist der Roman-Thorin kaum mit dem Film-Thorin vergleichbar. Ist Thorin im Roman ein anfangs wohlgesitteter, vornehmer Zwerg, so erscheint er in “Eine unerwartete Reise” viel ablehnender, finsterer und aggressiver. In der Hinsicht soll er wohl stärker Aragorn aus dem “Herrn der Ringe” ähneln, wobei beiden eine große, beinahe unmögliche Aufgabe bevorsteht, Aragorn allerdings sanftmütiger und dadurch edler wirkt als Thorin. Letztlich ist jedoch auch das tolerabel; wahre Mittelerde-Fans dürften wohl viel eher bei der subtil angedeuteten Romanze zwischen Gandalf und Galadriel aufschreien…
Wenn man über einen Fantasyfilm dieses Kalibers schreibt, muss auf jeden Fall auch über die Bilder und die verwendete Technik geschrieben werden. Und da zeigt Peter Jackson, dass er absolut nichts verlernt hat. Prachtvolle Landschaftsbilder, gewaltige inszenierte Schlachten, wie immer untermalt von einem stimmigen Score, bei dem es Howard Shore geschafft hat, die alten Leitmotive wirklich passend in die neuen Kompositionen zu integrieren – das ist genau das, was alle erwarten, und davon gibt es dementsprechend auch reichlich! Die 3D-Technologie sorgt dabei für eine angenehme Tiefenwahrnehmung und überreizt das Auge nicht mit aus dem Bild heraustretenden Objekten. Apropos Auge: Das High Frame Rate 3D ist durchaus nützlich, da bei vielen schnellen Kameraschwenks die Bewegungsunschärfe ausbleibt – der Nachteil ist jedoch, dass das Bild bisweilen in solchen Situationen ruckelig wird. Dennoch ist davon auszugehen, dass dieser Technik die Zukunft gehören wird, es ist allerdings abzuwarten, ob man wirklich bei 48 Bildern pro Sekunde bleibt, oder ob man sich noch auf eine andere Bildzahl einigt.
Aufgrund des großen Ensembles ist es schwer, einzelne Darsteller besonders hervorzuheben. So ist es letztlich eine Szene, die besondere Beachtung verdient: das Rätselduell zwischen Bilbo und Gollum. Während nur wenige Meter über ihren Köpfen eine blutige Schlacht tobt, inszeniert Jackson dieses Duell mit beinahe kammerspielartiger Intimität. Auch ein großes Lob an Martin Freeman und Andy Serkis, der erneut das Performance Capture-Model für Gollum mimen durfte. Bessere Technologien sorgen hier jedoch für eine weitaus bessere Mimik Gollums, was seine ständigen Gesinnungswandel noch besser zum Ausdruck bringt. Diese wenigen Minuten, in denen Bilbo um sein Leben rätselt, und die im krassen Gegensatz zum gleichzeitig verlaufenden Überlebenskampf der Zwerge stehen, sind für mich das wahre Highlight des Films.

Fazit:
“Der Hobbit – Eine unerwartete Reise” bietet genau das, was viele von ihm erwarten: Bombastische Unterhaltung. Wenn man die etwas lang wirkende Eingangssequenz außer Acht lässt, ist der Film trotz fast 3 Stunden Spielzeit recht kurzweilig gehalten, was auch an der abwechslungsreichen Inszenierung mit bis zu drei parallel verlaufenden Plotlinien liegt. Dennoch hat es Peter Jackson geschafft, daraus eine schlüssige Handlung zu stricken. Die nach “Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs” extrem hohen Erwartungen könnte Jackson zwar nicht erfüllen, dennoch verbleibt unter dem Strich ein guter Film, bei dem die Handlung mindestens genauso wichtig ist wie die verwendeten Effekte. So macht der Film auf jeden Fall schon einmal Lust auf “Der Hobbit – Die Einöde von Smaug”; ob Teil 2 dann die Ansprüche der Fans erfüllen kann, wird sich zeigen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sneak Review: I love you, Phillip Morris


Regie: Glenn Ficarra, John Requa

Darsteller: Jim Carrey, Ewan McGregor, Rodrigo Santoro, Leslie Mann

Laufzeit: 102 Minuten

Kinostart in Deutschland: 29.04.2010

FSK: noch nicht geprüft

Zur Handlung:
Steven Russell (Jim Carrey) führt ein unauffälliges Leben. Seine Ehe mit Debbie (Leslie Mann) verläuft harmonisch, er hat eine süße Tochter, ist populär und hat keine Probleme in seinem Job als Polizist. Da er allerdings als Kind adoptiert worden ist, macht er sich auf die Suche nach seiner richtigen Mutter (Marylouise Burke). Als er sie gefunden hat, weist sie ihn jedoch brüsk zurück.
Russell zieht daraufhin mit seiner Familie nach Texas, wo er sich relativ schnell ein erfolgreiches Leben aufbaut. Nachdem er jedoch Opfer eines Autounfalls wird, entscheidet er sich, keine Lüge leben zu wollen, outet sich als homosexuell und verlässt seine Familie, um ein neues Leben zu beginnen. Da sich das Leben mit seinem neuen Partner Jimmy (Rodrigo Santoro) jedoch als sehr kostspielig erweist, beginnt er, um seinen hohen Lebensstandard halten zu können, mit kleineren Betrügereien. Als er dabei jedoch erwischt wird, versucht er zunächst, sich selbst umzubringen, wird jedoch gerettet und landet letztlich im Gefängnis.
Dort begegnet er nach einiger Zeit dem ebenfalls inhaftierten Phillip Morris (Ewan McGregor), dem er sich als Anwalt vorstellt. Nach einiger Zeit werden die beiden ein Liebespaar, wobei Russell seinen Einfluss nutzt, um den beiden das Leben angenehmer zu machen. Nachdem er jedoch verlegt worden ist, wendet er das erstmal Tricks an, um aus der Haft entlassen zu werden und letztlich Morris als dessen Anwalt aus dem Gefängnis heraus zu holen.
Außerhalb des Gefängnisses fangen die beiden ein gemeinsames Leben an. Da Russell jedoch seinem Lebenspartner ein angenehmes Leben bieten will, beginnt er erneut mit Betrügereien. So gibt er erneut vor, ein Anwalt zu sein, um einer ehemaligen Nachbarin von Morris bei einer Klage zu helfen. Später arbeitet er bei einem Unternehmen, das Sozialabgaben verwaltet, und unterschlägt über $ 800.000, bevor er erneut gefasst wird. Bevor er jedoch abgeführt werden kann, hat ihn Morris bereits verlassen.
Im Laufe der folgenden Jahre versucht Russell immer wieder, aus dem Gefängnis auszubrechen, wird aber immer wieder nach kurzer Zeit gefasst. Wobei er bei einem Ausbruchsversuch bis zu Phillip Morris gelangt und diesen dadurch wieder ins Gefängnis bringt.
Kurze Zeit später erfährt Morris jedoch, dass sein ehemaliger Lebensgefährte HIV-positiv ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Er möchte Russell noch ein letztes Mal sehen, erfährt dann aber, dass er bereits in eine Privatklinik verlegt worden ist. Kurz vor Russells Tod darf Morris dann noch einmal mit ihm telefonieren, bevor Russell dann stirbt…
Wie er glaubt, denn Russell hat mit Hilfe von Tabletten und gefälschten Unterlagen seine eigene HIV-Erkrankung und seinen Tod vorgetäuscht, um Morris letztlich erneut befreien zu können. Doch bevor es zur Bewährungsverhandlung kommen kann, wird Russell erneut entdeckt und letztlich zu einer Haftstrafe von 144 Jahren verurteilt.

Kritik:
Was eigentlich nach einer völlig unrealistischen Geschichte klingt, hat sich tatsächlich so abgespielt. Zwischen 1993 und 1998 wurde Steven Jay Russell zu einem der berühmtesten Betrüger und Ausbrecherkönig der USA. Auf der Grundlage seines Lebens hat der amerikanische Autor Steve McVicker das Buch “I Love You Phillip Morris: A True Story of Life, Love, and Prison Breaks” geschrieben, welches wiederum die Vorlage für diesen Film abgeliefert hat.
Verständlicherweise wurden die Zeiträume stark verkürzt dargestellt, und auch die Reihenfolge der einzelnen Ausbrüche und Wiedersehen mit Morris sind nicht zwangsläufig authentisch, allerdings legt der Film wohl auch keinen Wert auf eine realistische Wiedergabe der damaligen Geschehnisse. Vielmehr ist “I love you, Phillip Morris” eine temporeiche und kurzweilige Komödie, bei der zwar auf einige Klischees bzgl. Homosexualität und Gefängnisse eingegangen wird, ohne jedoch in irgendeiner Form homophob zu werden. Jim Carrey passt durch sein chronisches Overacting perfekt in die Rolle eines extrovertierten und selbstbewussten Betrügers, während Ewan McGregor in mir doch gemischte Gefühle erweckt: einerseits bringt er die Rolle des etwas ruhigeren Lovers gut rüber. Andererseits ist Ewan McGregor Obi-Wan Kenobi, neben Yoda wohl der coolste Jedi in der gesamten Star Wars-Republik. Und ihn jetzt als introvertierten, leicht feminin angehauchten Softie zu sehen, zerstört da doch ein Weltbild. Andererseits beweist das auch wieder, was für ein guter Schauspieler McGregor eigentlich ist.
Die Regie liefert einen soliden Job ab, obwohl der Film für beide im Prinzip die erste eigene Regiearbeit darstellt, und auch sonst ist technisch nicht viel an dem Film zu bemängeln. Zwar wird die ganze Liebesgeschichte teilweise auf dem Niveau einer Judd Apatow-Komödie verarbeitet, aber als bewusst überspitzte Darstellung lässt sich damit durchaus leben. Schade ist nur, dass in dem Film House und Techno als typische Musikrichtung von Homosexuellen dargestellt wird. Allerdings schadet dies dem Film genauso wenig wie die eher tragischen Momente, die von den wirklich hervorragend agierenden Akteuren aber auch gut getragen werden.

Fazit:
“I love you, Phillip Morris” ist als Tragikomödie sehr gelungen, wobei man natürlich keine Biographie über das Leben von Steven Jay Russell erwarten darf. Beide Hauptdarsteller füllen ihren Part gut aus, und das flotte Tempo und die kurzweilige Erzählart machen den Film unterhaltsam. Wer sich an homoerotischen Liebesszenen, die doch etwas deftiger sind als bei Brokeback Mountain, nicht stört, kann eine wirklich unterhaltsame Komödie erleben.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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Sneak Review: In meinem Himmel


Regie: Peter Jackson

Darsteller: Saoirse Ronan, Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Rachel Weisz, Susan Sarandon

Laufzeit: 135 Minuten

Kinostart in Deutschland: 18. Februar 2010

FSK: ab 12 Jahren

Zur Handlung:
Wir schreiben das Jahr 1973: die 14jährige Susie Salmon (Saoirse Ronan) lebt mit ihrer Schwester Lindsey (Rose McIver), ihrem Bruder Buckley (Christian Thomas Ashdale) und ihren Eltern Jack (Mark Wahlberg) und Abigail (Rachel Weisz) in einem kleinen Ort in Pennsylvania. Wie so viele Mädchen in ihrem Alter ist auch Susie lebensfroh und aktiv. So hat sie, die den Wunsch hegt, später Fotografin werden zu können, innerhalb kürzester Zeit die 24 Filme verbraucht, die ihre Eltern ihr zusammen mit der Kamera zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Und genauso wie andere 14jährige ist sie in einen anderen Mitschüler verliebt; in ihrem Fall handelt es sich dabei um Ray Singh (Reece Ritchie), mit dem sie in einer Film-AG ist.
Eines Tages ereignet es sich, dass Ray sie tatsächlich um ein Date bittet. Sie nimmt an, doch bevor die beiden sich küssen können, werden sie gestört von einem Lehrer, der sich mit der (für die damalige Zeit) sehr modern denkenden Ruth (Carolyn Dando) streitet. Bevor sie endgültig verscheucht werden, schafft es Ray jedoch, in Susies Heft einen Zettel zu verstecken. Auf dem Heimweg von der Schule fällt genau dieser Zettel aus Susies Tasche. Susie verfolgt den Zettel über ein Maisfeld, wo sie dann auf ihren Nachbarn George Harvey (Stanley Tucci) trifft, der ihr etwas zeigen will. Susie kommt nie zuhause an.
Auf der Suche nach Susie findet der ermittelnde Polizist, Detective Len Fenerman (Michael Imperoli) auf dem Maisfeld einen zerstörten unterirdischen Verschlag und die blutbefleckte Mütze, die Susie an dem Tag getragen hat, und muss deswegen den Eltern mitteilen, dass Susie ermordet worden ist.
Während Susie nun in eine Art Zwischenwelt gerät und von dort aus zusammen mit Holly (Nikki SooHoo), einem weiteren Opfer Harveys, die weiteren Entwicklungen nach ihrem Tod beobachtet, versucht ihr Vater Jack mit allen Mitteln mögliche Täter zu ermitteln und so die Arbeit von Fenerman zu vereinfachen. Dabei bemerkt er doch nicht, dass seine Frau Abigail an der gesamten Situation beinahe zerbricht und letztlich ihre Familie verlassen muss, um über den Verlust hinweg zu kommen. Die Jahre vergehen, und irgendwann erkennt Jack, dass es sich bei dem Täter um Harvey handeln muss. Da er ihm die Tat jedoch nicht nachweisen kann, verfolgt er Harvey eines Nachts, um ihn an einer Stelle, wo er nicht beobachtet werden kann, umzubringen. Sein Plan scheiter jedoch und er wird selbst von einem Teenager zusammengeschlagen, der ihn mit einem Spanner verwechselt hat.
Da Jack nun nichts weiter tun kann, erkennt Susies jüngere Schwester Lindsey, inzwischen eine erfolgreiche Schülerin und Sportlerin, dass sie diejenige ist, die die Beweise finden muss. Als Harvey einmal nicht zuhause ist, bricht sie in sein Haus ein und findet dort auch ein Notizbuch mit Beweisen. Doch bevor sie aus dem Haus verschwinden kann, kehrt der Mörder ihrer Schwester zurück…

Kritik:
Man nehme: einen Bestseller, einen Oscar prämierten Regisseur (Jackson), einen Produzenten, der ebenfalls schon Oscars gewonnen hat (Steven Spielberg), zwei Oscarpreisträger (Rachel Weisz und Susan Sarandon), zwei, die bereits für einen Oscar nominiert waren (Saoirse Ronan und Mark Wahlberg), und was erhält man? Leider weniger, als diese gute Zusammenstellung verspricht. Im Gegensatz zur Romanvorlage, wo das Thema Trauerbewältigung eine wichtige Rolle spielt, wechselt Peter Jackson in seiner Verfilmung munter zwischen Fantasyfilm, Familiendrama und Suspense-Film hin und her und verliert sich dabei in Effekten und Langeweile.
Am Cast liegt es nicht: die Rollen sind alle gut besetzt, wobei Saoirse Ronan als Opfer und Erzählerin der Geschichte genauso herausragt wie Stanley Tucci, der den pädophilen Serienmörder abstoßend glaubhaft darstellt und nicht umsonst für einen Oscar nominiert worden ist. Aber auch die jüngeren, bislang weniger bekannten Darsteller wie Rose McIver überzeugen in ihren Rollen und empfehlen sich mit diesem Film für weitere Arbeiten.
Wenn man jemanden für den Film zur Verantwortung ziehen will, ist das eindeutig Peter Jackson. Anstatt, wie erwähnt, den Fokus auf die Trauerbewältigung und die weitere Entwicklung der Charaktere zu legen, prügelt er in den Szenen in der Zwischenwelt mit dem Effekte-Holzhammer auf seine Zuschauer ein – mit Bildern, die in ihrer Schönheit durchaus den Platz in einer Aero-Oberfläche bei Windows 7 finden könnten, die aber mangels tatsächlichen Kontrasts keine tatsächliche Wirkung entfalten können. Was uns Jackson stattdessen als Kontrast liefert, ist ein Versuch billigen Suspenses mit einem zwar gelungen dargestellen Antagonisten, der aber abgesehen von der einen Mordtat auch eher passiv ist und in erster Linie von der Ausstrahlung Tuccis lebt. Der einzige Teil des Films, in denen die Trauerbewältigung eine gewisse Rolle spielt, ist der Dramapart, in dem die Reaktionen der Familie Salmon nach Susies Tod dargestellt werden. Und auch hier merkt man, dass die Zersplitterung des Films in so viele Teilaspekte dem Gesamtprodukt eher schaden, denn das volle Potenzial dieses Plots wird ebenfalls nicht voll ausgeschöpft. Zwar sorgt Susan Sarandon als alkohol- und pillenabhängige Grossmutter für einige heitere Momente und lockert das Geschehen bisweilen auf, aber da die übrigen Charaktere eher blass bleiben, hält der comic relief nicht lange vor.
Zudem sorgen diese unterschiedlichen Teile des Films für einen weiteren, unangenehmen Nebeneffekt: die gesamte Handlung wirkt langatmig und unbeweglich, die Szenen ziehen sich unglaublich in die Länge, und nach einiger Zeit erwischt man sich dabei, auf die Uhr zu schauen und sich zu fragen, wie lange es jetzt wohl noch dauern mag, bis der Film endlich zu einem Schluss kommt. Zwar sind die einzelnen Handlungsstränge nicht völlig ausgereift, aber so, wie sie erzählt worden sind, hätten dem Film 30 Minuten weniger nicht geschadet, da an der Handlung einiges hätte gestrafft werden können. Der Grund dafür ist leider eindeutig die Regie. Peter Jackson war bei der “Herr der Ringe”-Trilogie auf dem absoluten Höhepunkt seines Schaffens, aber bei “In meinem Himmel” ist er leider nur noch ein Schatten seiner selbst.

Fazit:
“In meinem Himmel” ist definitiv keine leichte Kost. Nicht nur, dass das Thema eigentlich zu ernst und zu traurig ist, um einen leichtherzigen Film zu machen (dass es zumindest etwas leichtherziger geht, beweist die Romanvorlage), auch schafft es Peter Jackson nicht, auf einer subtilen Ebene mit seinem Publikum zu spielen, sondern packt stattdessen lieber den Holzhammer mit der Aufschrift “Effekte” aus. Grundsätzlich würde ich diesen Film auch nur Peter Jackson-Fans empfehlen: den Freunden von Alice Sebolds Roman dürfte der Film hingegen genauso wenig gefallen wie dem durchschnittlichen Kinogänger, der sich an der Langatmigkeit der Erzählung stören dürfte. Generell würde ich empfehlen, dass man sich das Geld an der Kinokasse spart und sich den Film später im Free-TV anschaut – auf arte sollte er ebenfalls werbefrei zu sehen sein.

Bewertung: 4 von 10 Punkten.