Kino-Review: Black Swan

Black_Swan_poster

Regie: Darren Aronofsky

Darsteller: Natalie Portman, Vincent Cassel, Barbara Hershey, Mila Kunis, Winona Ryder

Laufzeit: 103 Minuten

Kinostart in Deutschland: 20. Januar 2011

FSK: ab 16 Jahren

 

Zur Handlung:

Die junge Ballerina Nina Sayers (Portman) hat nur einen Traum: Bei der Aufführung des Schwanensees möchte sie die Hauptrolle der Schwanenkönigin übernehmen. Ihr Vorbild ist dabei die ältere Tänzerin Beth MacIntyre (Ryder), die nach der anstehenden Saison ihre Karriere beenden will.

Um die Rolle der Schwanenkönigin spielen zu können, muss Nina sowohl den fragilen weißen Schwan als auch den lasziven, verführerischen schwarzen Schwan verkörpern können. Beim Vortanzen bemerkt ihr Direktor, Thomas Leroy (Cassel) jedoch, dass Nina für die Rolle des schwarzen Schwans die Leidenschaft fehlt. Nina versucht, ihn umzustimmen, wird dabei von Thomas geküsst und beisst ihm in die Lippe. Daraufhin entscheidet sich Thomas, ihr doch die Rolle zu geben.

Nach der Vorstellung von Nina als neuer Primaballerina kommt es zur Konfrontation mit Beth, welche Nina vorwirft, die Rolle erlangt zu haben, indem sie mit Thomas geschlafen hat. Beth wirft sich noch am selben Abend vor ein Auto, überlebt aber schwer verletzt.

In der Folgezeit beginnt für Nina der harte Kampf, sich in die Rolle des schwarzen Schwans hinein zu versetzen. Nicht leicht für eine Frau, die von ihrer Mutter (Hershey), die in ihrer Jugend ebenfalls Tänzerin war, überbehütet wird. Dieser Druck hat Folgen: Einerseits entwickelt Nina einen Juckreiz, der immer wieder zu einer Wunde an ihrer Schulter führt, zum anderen beginnt sie, paranoid zu werden. Am meisten fürchtet sie sich, dass die junge Lily (Kunis), die von der Westküste nach New York gekommen ist, ihr ihren Platz streitig machen könnte. Lily versucht jedoch, sich mit Nina anzufreunden und geht mit ihr auch an einem Abend weg. Dabei nehmen beide Frauen Drogen zu sich und lernen Männer kennen. Als Nina und Lily schließlich in Ninas Wohnung zurück kehren, haben sie miteinander Sex.

Als Nina am nächsten Tag verspätet zur Probe erscheint, erkennt sie mit Schrecken, dass Lily bei einer Durchlaufprobe die Rolle des schwarzen Schwans übernommen hat. Nina konfrontiert Lily und fragt diese, warum sie Nina nicht geweckt hat, bevor sie das Haus verlassen hat. Lily entgegnet ihr darauf, dass sie die Nacht mit einem der Männer verbracht hat, woraufhin Nina realisiert, dass sie halluziniert hat.

Dabei bleibt es allerdings nicht: In späteren Halluzinationen hört sie die Bilder ihrer Mutter sprechen und zerstört diese im Anschluss. Aus der Wunde an ihrer Schulter zieht sie eine schwarze Feder heraus, und schließlich verwandeln sich ihre Beine in die eines schwarzen Schwans. Nina stürzt, stößt sich den Kopf und bleibt bewusstlos liegen.

Als sie am nächsten Tag, am Tag der Premiere, erwacht, hat ihre Mutter sie in ihrem Zimmer eingeschlossen und das Theater informiert, dass Nina nicht kommen könnte. Daraufhin kommt es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter, und Nina schafft es mit Hilfe von Gewalt, die Wohnung zu verlassen. Im Theater angekommen erfährt sie, dass ihre Zweitbesetzung Lily für sie auftreten soll, kann sie Thomas mit einen ungewohnt harten Ton überzeugen, dass sie doch auftreten kann.

Im ersten Akt tanzt sie als weißer Schwan, ist jedoch unkonzentriert und stürzt schließlich. Als sie danach in die Umkleide zurückkehrt, sieht sie Lily, die anbietet, für Nina den schwarzen Schwan zu tanzen. Zwischen den beiden Frauen kommt es zu einem Handgemenge, in dem Nina Lily schließlich mit einer Spiegelscherbe niedersticht. Lily verblutet.

Zum nächsten Akt kehrt Nina als schwarzer Schwan auf die Bühne zurück und tanzt diesen makellos; in ihrer eigenen Vorstellung wachsen ihr auch schwarze Federn, und zum Ende hin verwandelt sie sich tatsächlich in einen schwarzen Schwan. Aus dem Publikum gibt es Standing Ovations, und mit einem zufriedenen Gefühl kehrt Nina zurück in ihre Umkleide. Als dort jedoch Lily auftaucht und ihr zu ihrer Leistung gratuliert, erkennt sie, dass auch der Kampf zwischen den beiden lediglich eine ihrer Halluzinationen war – tatsächlich hat sich Nina bei dem Kampf selbst verletzt.

Zum letzten Akt tanzt Nina wieder im Kostüm des weißen Schwans und tanzt diesen perfekt. Nach ihrem finalen Abgang stürmen ihre Kollegen und Thomas auf sie zu und wollen ihr zu ihrer Leistung gratulieren. Dann bemerken sie jedoch die Wunde auf Ninas Bauch, und Thomas verlangt nach einem Notarzt. Thomas fragt Nina, was sie gemacht habe, und mit einem letzten Lächeln entgegnet diese: “Ich war perfekt”, bevor das Bild langsam weiß wird…

 

Kritik:

Die Geschichte von “Black Swan” zeigt eindeutige Parallelen zur Karriere von Natalie Portman auf: Wenngleich sie schon früher wenig unschuldige Figuren gespielt hat, so wirkte sie bislang eher wie die Hauptfigur Nina: unschuldig, zerbrechlich, ein perfekter weißer Schwan. Umso erstaunlicher ihre Performance in “Black Swan”, wo sie viele ihrer bisherigen Tabus über Bord geworfen hat: Nacktszenen? Sexszenen? Sinnliche Laszivität? Was bislang im Zusammenhang mit Portman undenkbar war, hat sie hier verkörpert. Insoweit ist nicht nur ihr Charakter, sondern auch sie selbst in den schwarzen Schwan verwandelt worden. Welchen physischen Einsatz sie dafür geleistet hat, zeigt sie dieses Mal auch sehr offen: Um eine Ballerina spielen zu können, hat sie viel Körpergewicht verloren, gleichzeitig aber an Muskulatur am Rücken und den Beinen zugelegt. Dennoch wirkt sie graziler, zerbrechlicher, genau wie die Figur, die sie verkörpert. Dadurch wird sie aber sehr authentisch, und der Zuschauer kann sich sehr gut in die Gefühlswelt der Protagonistin hineinversetzen.

Um dies zu erreichen, zieht Regisseur auch alle Register denkbarer visueller Umsetzung. Anstatt den Wahn zumindest teilweise subtil darzustellen, wird der Zuschauer durch die pure Wucht visueller Effekte erdrückt. An manchen Stellen mag das beeindruckend wirken, an anderen Stellen, z.B. bei der vermeintlichen Transformation Ninas in ihrem Schlafzimmer wirkt es eher plump. So erinnert die Szene, als Nina aus ihrer wunden Schulter eine schwarze Feder gezogen hat, an den David Cronenberg-Klassiker “Die Fliege”, was für einen Horrorfilm zwar passend erscheint, aber nicht für einen Psycho-Thriller wie “Black Swan”. Aber auch an anderen Stellen versucht Aronofsky mit eher plumpen Schockeffekten zu punkten, was zu der Thematik des Films nur bedingt passt.

Musikalisch vertraut der Regisseur auf seinen Haus und Hof-Komponisten Clint Mansell. Im Gegensatz zu früheren Kooperationen (bspw. “Requiem for a Dream”) kann sich Mansell jedoch nicht so frei entfalten wie sonst, wird ihm doch durch Tschaikowskys “Schwanensee” das Leitmotiv des Films quasi vorgegeben. Dennoch überzeugt der Score, und auch der nicht auf dem offiziellen Soundtrack erscheinende Mix der Chemical Brothers passt gut zum Film. Dagegen ist die Kameraführung an manchen Stellen etwas enttäuschend: Der Verzicht auf eine Steadycam bei den Szenen, bei denen Nina durch die Straßen geht, sorgt beim Zuschauer aufgrund der Bildschwankungen eher für Irritation und vielleicht sogar für Übelkeit.

Abgesehen von der bereits oben angesprochenen One-Woman-Show Natalie Portmans können die übrigen Darsteller ihr ganzes Potenzial nicht ausschöpfen. Dafür sind ihre Charaktere zu eindimensional und zu unbedeutend. Eigentlich schade, da so eine gute Darsteller-Riege eher austauschbar wirkt.

 

Fazit:

“Black Swan” wurde für insgesamt 5 Oscars nominiert: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin, Beste Kamera, Bester Schnitt. Mit Fug und Recht kann man wohl behaupten, dass Natalie Portman den Oscar als beste Hauptdarstellerin sicher haben dürfte – keine ihrer Konkurrentinnen lebt ihre Rolle so intensiv aus wie sie. Was die anderen Oscars angeht, so dürften meiner Meinung nach vor allem die Coen-Brüder mit “True Grit” mehr Chancen auf einen Erfolg haben.

Vom Oscar abgesehen handelt es sich bei “Black Swan” um einen guten, wenngleich nicht sehr guten Thriller, der zeigt, welche Folgen Leistungsdruck auf eine sensible Person haben können. Gerade Natalie Portman, die für viele wie ein reales Vorbild ihres Charakters Nina erscheint, macht den Film durch ihr intensives Spiel und das Ausloten ihrer eigenen Grenzen besonders sehenswert. Allerdings sollte man nicht mit einer zu großen Erwartungshaltung in den Film gehen, da er zwar zu den besseren Filmen des Jahres 2011 gehören dürfte, aber vermutlich noch weit davon entfernt ist, der beste Film des Jahres zu sein.

 

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

DVD-Review und TV-Tipp: The Dark Knight

220px-Dark_Knight

Regie: Christopher Nolan

Darsteller: Christian Bale, Heath Ledger, Gary Oldman, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Maggie Gyllenhaal, Michael Caine, Cillian Murphy, Tiny Lister, Michael Jai White, Chin Han, Eric Roberts

Laufzeit: 146 Minuten

Erscheinungsjahr: 2008

FSK: ab 16 Jahren

Zur Handlung:

In Gotham City herrscht das Chaos seit ein neuer Krimineller namens Joker (Ledger) sein Unwesen treibt. Mit Hilfe einiger Komplizen schafft er es, die Bank einer Mafia auszuräumen, woraufhin die Mafiabosse versuchen, diesen ausfindig zu machen. Unterdessen hat sich Batman/Bruce Wayne (Bale) mit Harvey Dent (Eckhart) auseinander zu setzen, der nicht nur der neue Bezirksstaatsanwalt ist, sondern auch mit Bruces früheren Flamme Rachel Dawes (Gyllenhaal) liiert ist. Wayne entschließt sich, für Dent eine Spendenparty zu veranstalten.

Während der Joker nach und nach die Gangsterbanden Gothams übernimmt oder ausschaltet, nimmt Batman den Gangster Lau (Han) in Hong Kong gefangen und bringt ihn zurück nach Gotham, woraufhin Dent und James Gordon (Oldman) die übrigen Gangsterbosse festnehmen können. Daraufhin droht der Joker an, bestimmte Persönlichkeiten zu töten, sollte sich Batman nicht demaskieren, und setzt seine Drohung auch gleich um, indem er den amtierenden Commissioner und den Richter, der der Mafia-Verhandlung vorsitzt, umbringt. Als er für die Trauerfeier Commissioner Loeb ein Attentat auf den Bürgermeister ankündigt, wird das Ereignis von Wayne überwacht. Dennoch schafft es der Joker, sich als Polizist verkleidet in die Menge zu verstecken und beim Ehrensalut einen Schuss auf den Bürgermeister abzufeuern. Allerdings schafft es Gordon, sich in die Schussbahn zu werfen und die Kugel abzufangen.

Wayne entschließt daraufhin, sich als Batman zu demaskieren, doch Dent kommt ihm zuvor und verkündet auf einer Pressekonferenz öffentlich, dass er Batman ist. Als Dent daraufhin in Schutzhaft genommen wird, wird seine Eskorte vom Joker verfolgt, dem wiederum Batman auf den Fersen ist. Batman schafft es, den Joker aufzuhalten, der infolge dessen von Gordon, der seinen Tod nur vorgetäuscht hat, festgenommen wird. Gordon wird daraufhin zum Commissioner befördert und die Stadt erscheint vorerst sicher. Allerdings wird Dent vermisst, und es stellt sich heraus, dass er von Komplizen des Jokers entführt worden ist und in einem Lagerhaus gefangen gehalten wird. Auch Rachel wird in ein ähnliches Lagerhaus am anderen Ende der Stadt verbracht. Batman schafft es, dem Joker die Aufenthaltsorte der beiden zu entlocken, doch der Joker vertauscht die beiden Adressen, so dass Batman Dent retten kann, die Polizei jedoch etwas zu spät kommt, um Rachel zu retten. Die in beiden Gebäuden befindlichen Bomben explodieren; Rachel stirbt, Dent, dessen eine Körperhälfte in Benzin getränkt war, erleidet schwere Verbrennungen. Gleichzeitig schafft es der Joker, aus seiner Zelle zu entkommen und gleichzeitig Lau zu töten.

Nun verlangt der Joker, dass Coleman Reese, ein Mitarbeiter von Wayne Enterprises, der die Identität von Batman aufgedeckt hat, getötet wird, da er ansonsten ein Krankenhaus in die Luft sprengen will. Wayne schafft es, Reese zu retten, während der Joker Dent im Krankenhaus besucht und ihn überzeugt, sich persönlich an allen Verrätern zu rächen. Danach verlässt er das Krankenhaus, wobei er einen Bus entführt und die Insassen als Geiseln nimmt. Dent, der nun den Spitznamen “Two-Face” angenommen hat, verlässt das Krankenhaus und beginnt seinen persönlichen Rachefeldzug, indem er sowohl die verräterischen Polizisten aus Gordons Einheit als auch den Mafiaboss Sal Maroni (Roberts) tötet.

In der Nacht, als eine Fähre mit Zivilisten und eine mit Strafgefangenen evakuiert werden soll, eröffnet der Joker, dass er beide Fähren mit Bomben ausgestattet hat und den Zünder auf dem jeweils anderen Schiff versteckt hat. Während nun alle darauf warten, dass sich die Passagiere der Fähren gegenseitig sprengen, versucht Gordon zusammen mit SWAT-Einheiten, die Entführten, die sich in einem Hochhaus aufhalten, zu befreien. Batman hält das SWAT-Team auf, um die Geiseln zu schützen, und schafft es, den Joker gefangen zu nehmen. Die Passagiere auf den Fähren weigern sich, den jeweils anderen Sprengsatz zu zünden, während der Joker Batman über das komplexe Verhältnis der beiden aufklärt und gleichzeitig äußert, dass Batman die einzige Person in Gotham ist, die sich nicht verderben lässt, wonach er erklärt, was er Dent angetan hat.

Bei dem Gebäude, in dem Rachel getötet wurde, findet Batman Dent, der Gordon und dessen Familie mit einer Waffe in Schach hält. Batman schafft, es Dent davon abzubringen, Gordons Familie zu töten und stürzt sich mit ihm von einem Baugerüst. Dent stirbt, und Batman erklärt Gordon, dass er die Schuld Dents auf sich nimmt, da die Bevölkerung Gothams ansonsten jegliche Moral und Glauben verlieren würden, wenn bekannt wird, dass ihr größter Held im Kampf gegen die Kriminalität so tief gefallen ist. Seit diesem Zeitpunkt gilt Batman nicht mehr als Wächter über die Stadt, das berühmte Batsymbol wird zerstört, und der dunkle Ritter verschwindet in der Nacht.

 

Kritik:

In “Scream 2” wird im Scherz behauptet, dass eine Fortsetzung niemals so erfolgreich sein kann wie der erste Teil. Christopher Nolan beweist, dass diese Aussage nicht allgemeingültig ist und erschafft mit “The Dark Knight” einen Film, der seinen Vorgänger “Batman Begins” in jeder Hinsicht übertrifft. In der düsteren Atmosphäre der Dystopie namens Gotham City erzählt Nolan eine Parabel über das Gute im Menschen, und wie scheinbar Menschen leicht verdorben werden können, während in vermeintlich bösen Menschen (sinnbildlich dafür: Tiny Lister als “Anführer” der Gefangenen auf der Fähre) immer noch Gutes stecken kann.

Dabei profitiert Nolan von einem exzellenten Ensemble: Angefangen bei Heath Ledger, der durch seine Rolle als psychopathischer, von allen moralischen Bedenken entkleideter Clown endgültig zur Legende geworden ist. Ledgers Joker ist eine offene Rebellion gegen die Gesellschaft, indem er alle Konventionen, die einem Menschen von der Gesellschaft auferlegt werden, über Bord wirft und dadurch aufzeigt, wozu ein einziger Mann imstande sein kann. Dadurch bildet er den Gegenpol sowohl zu den Figuren von Harvey Dent aber auch von Batman. Ob Ledgers Oscargewinn nur mit seinem unerwarteten Tod zusammenhängt, lässt sich nicht sagen, auf jeden Fall hat er mit seiner beängstigend glaubhaften Darstellung die Nominierung verdient gehabt.

Aber auch Aaron Eckhart wächst in der Rolle von Harvey Dent/Two-Face über sich hinaus. Seine Interpretation des gefallenen Staatsanwalts macht aus diesem einen ursprünglich guten Menschen, der durch seine Umgebung, repräsentiert vom Joker, so verdorben worden ist, dass er letztlich nach dem Motto “Der Zweck heiligt die Mittel” agiert. Dabei bleibt Eckhart bis zur letzten Minute absolut glaubwürdig und macht aus Two-Face einen fast schon bemitleidenswerten Charakter, der das Gute vor Augen hat und nur durch sein Verhalten zu einem der Bösen geworden ist.

Glaubwürdig…ein Wort, dass Gary Oldman bestens beschreibt. Oldman, der sowieso zu den besseren aktiven Charakterdarstellern gehört, sorgt in der Rolle von Jim Gordon, der wie der letzte ehrliche Polizist Gothams erscheint, immer wieder für kleine Glanzpunkte.

Bei so einer starken Besetzung in den weiteren Haupt- und Nebenrollen mag es fast schon nicht verwundern, dass Christian Bale noch der schwächste aus diesem prägnanten Quartett ist. Verständlich, dass der dunkle Ritter neben den so charismatischen Gegenspielern eher blass bleibt, aber auch durch seine etwas übertriebene Mimik im schwarzen Kostüm sorgt er für teils unfreiwillig amüsante Momente. In die Rolle des Bruce Wayne passt er weitaus besser, allerdings ist dieser Teil seiner Rolle verständlicherweise nicht so prägend für den Gesamtcharakter. Trotzdem ist es bedauerlich, dass ein so talentierter Akteur wie Bale dieses Mal nicht so glänzen kann wie in “Batman Begins”, als er mit Liam Neeson nur einen Gegenpol hatte.

Aber auch der Rest des Cast ist sehr stark. Die Altstars Morgan Freeman und Michael Caine verkörpern ihre Figuren mit einer Klasse, die nicht von vielen Schauspielern erreicht werden kann. Auch Maggie Gyllenhaal kann die Rolle der Rachel Dawes besser ausfüllen als Katie Holmes im Vorgänger. Zudem gibt es schöne kleine Auftritte von Cillian Murphy, der ja schon in “Batman Begins” in der Rolle des Scarecrow aktiv war, Tiny Lister, der als Strafgefangener Menschlichkeit beweist, aber auch von William Fichtner, der als Bankmanger eins der ersten Opfer des Jokers ist.

In Sachen Special Effects ist “The Dark Knight” wenig vorzuwerfen. Sowohl die grafischen Effekte als auch der Sound ist absolute Spitzenklasse. Der Soundtrack, der erneut von Hans Zimmer stammt, ist stimmig, kommt aber nicht an die Klasse der früheren Filmmusiken von Danny Elfman heran.

 

Fazit: “The Dark Knight” ist nicht nur eine sehr gelungene Comicverfilmung, sondern ein wirklich gelungenes Meisterwerk. Für die einen ist es perfektes Popcornkino, für den tiefgründigeren Filmfan ist es eine Geschichte über das Gute und Böse im Menschen. Für jüngere Zuschauer nicht unbedingt geeignet, aber alle anderen dürfte der Film gefallen. Unbedingt empfehlenswert!

 

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Zur DVD:

Dieser Rezension zugrunde lag die einfache DVD-Version. Das Bild ist gestochen scharf und flimmerfrei, selbst bei den hektischeren Kameraszenen. Der Ton ist solide abgemischt, teilweise sind die Dialogstellen aber im Vergleich zu leise abgemischt. Wenn Batman mit seiner verstellten Stimme spricht, ist diese zu basslastig, so dass es schwer ist, für den Film optimale Soundeinstellungen zu finden. Extras sind auf der DVD leider nicht vorhanden, lediglich ist vor dem Film Werbung für verschiedene Batman-Produkte zu finden. Das wertet die DVD leider ab.

Bewertung der DVD: 3 von 10 Punkten.

 

Gesamtbewertung:

  • Film (70%): 10 von 10 Punkten
  • DVD (30%): 3 von 10 Punkten
  • Gesamtbewertung (100%): 7,9 von 10 Punkten

The Dark Knight läuft morgen, am 03.10.2010, ab 20.15 auf Pro Sieben.

Shoppingtipp:

Sneak Review: In meinem Himmel


Regie: Peter Jackson

Darsteller: Saoirse Ronan, Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Rachel Weisz, Susan Sarandon

Laufzeit: 135 Minuten

Kinostart in Deutschland: 18. Februar 2010

FSK: ab 12 Jahren

Zur Handlung:
Wir schreiben das Jahr 1973: die 14jährige Susie Salmon (Saoirse Ronan) lebt mit ihrer Schwester Lindsey (Rose McIver), ihrem Bruder Buckley (Christian Thomas Ashdale) und ihren Eltern Jack (Mark Wahlberg) und Abigail (Rachel Weisz) in einem kleinen Ort in Pennsylvania. Wie so viele Mädchen in ihrem Alter ist auch Susie lebensfroh und aktiv. So hat sie, die den Wunsch hegt, später Fotografin werden zu können, innerhalb kürzester Zeit die 24 Filme verbraucht, die ihre Eltern ihr zusammen mit der Kamera zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Und genauso wie andere 14jährige ist sie in einen anderen Mitschüler verliebt; in ihrem Fall handelt es sich dabei um Ray Singh (Reece Ritchie), mit dem sie in einer Film-AG ist.
Eines Tages ereignet es sich, dass Ray sie tatsächlich um ein Date bittet. Sie nimmt an, doch bevor die beiden sich küssen können, werden sie gestört von einem Lehrer, der sich mit der (für die damalige Zeit) sehr modern denkenden Ruth (Carolyn Dando) streitet. Bevor sie endgültig verscheucht werden, schafft es Ray jedoch, in Susies Heft einen Zettel zu verstecken. Auf dem Heimweg von der Schule fällt genau dieser Zettel aus Susies Tasche. Susie verfolgt den Zettel über ein Maisfeld, wo sie dann auf ihren Nachbarn George Harvey (Stanley Tucci) trifft, der ihr etwas zeigen will. Susie kommt nie zuhause an.
Auf der Suche nach Susie findet der ermittelnde Polizist, Detective Len Fenerman (Michael Imperoli) auf dem Maisfeld einen zerstörten unterirdischen Verschlag und die blutbefleckte Mütze, die Susie an dem Tag getragen hat, und muss deswegen den Eltern mitteilen, dass Susie ermordet worden ist.
Während Susie nun in eine Art Zwischenwelt gerät und von dort aus zusammen mit Holly (Nikki SooHoo), einem weiteren Opfer Harveys, die weiteren Entwicklungen nach ihrem Tod beobachtet, versucht ihr Vater Jack mit allen Mitteln mögliche Täter zu ermitteln und so die Arbeit von Fenerman zu vereinfachen. Dabei bemerkt er doch nicht, dass seine Frau Abigail an der gesamten Situation beinahe zerbricht und letztlich ihre Familie verlassen muss, um über den Verlust hinweg zu kommen. Die Jahre vergehen, und irgendwann erkennt Jack, dass es sich bei dem Täter um Harvey handeln muss. Da er ihm die Tat jedoch nicht nachweisen kann, verfolgt er Harvey eines Nachts, um ihn an einer Stelle, wo er nicht beobachtet werden kann, umzubringen. Sein Plan scheiter jedoch und er wird selbst von einem Teenager zusammengeschlagen, der ihn mit einem Spanner verwechselt hat.
Da Jack nun nichts weiter tun kann, erkennt Susies jüngere Schwester Lindsey, inzwischen eine erfolgreiche Schülerin und Sportlerin, dass sie diejenige ist, die die Beweise finden muss. Als Harvey einmal nicht zuhause ist, bricht sie in sein Haus ein und findet dort auch ein Notizbuch mit Beweisen. Doch bevor sie aus dem Haus verschwinden kann, kehrt der Mörder ihrer Schwester zurück…

Kritik:
Man nehme: einen Bestseller, einen Oscar prämierten Regisseur (Jackson), einen Produzenten, der ebenfalls schon Oscars gewonnen hat (Steven Spielberg), zwei Oscarpreisträger (Rachel Weisz und Susan Sarandon), zwei, die bereits für einen Oscar nominiert waren (Saoirse Ronan und Mark Wahlberg), und was erhält man? Leider weniger, als diese gute Zusammenstellung verspricht. Im Gegensatz zur Romanvorlage, wo das Thema Trauerbewältigung eine wichtige Rolle spielt, wechselt Peter Jackson in seiner Verfilmung munter zwischen Fantasyfilm, Familiendrama und Suspense-Film hin und her und verliert sich dabei in Effekten und Langeweile.
Am Cast liegt es nicht: die Rollen sind alle gut besetzt, wobei Saoirse Ronan als Opfer und Erzählerin der Geschichte genauso herausragt wie Stanley Tucci, der den pädophilen Serienmörder abstoßend glaubhaft darstellt und nicht umsonst für einen Oscar nominiert worden ist. Aber auch die jüngeren, bislang weniger bekannten Darsteller wie Rose McIver überzeugen in ihren Rollen und empfehlen sich mit diesem Film für weitere Arbeiten.
Wenn man jemanden für den Film zur Verantwortung ziehen will, ist das eindeutig Peter Jackson. Anstatt, wie erwähnt, den Fokus auf die Trauerbewältigung und die weitere Entwicklung der Charaktere zu legen, prügelt er in den Szenen in der Zwischenwelt mit dem Effekte-Holzhammer auf seine Zuschauer ein – mit Bildern, die in ihrer Schönheit durchaus den Platz in einer Aero-Oberfläche bei Windows 7 finden könnten, die aber mangels tatsächlichen Kontrasts keine tatsächliche Wirkung entfalten können. Was uns Jackson stattdessen als Kontrast liefert, ist ein Versuch billigen Suspenses mit einem zwar gelungen dargestellen Antagonisten, der aber abgesehen von der einen Mordtat auch eher passiv ist und in erster Linie von der Ausstrahlung Tuccis lebt. Der einzige Teil des Films, in denen die Trauerbewältigung eine gewisse Rolle spielt, ist der Dramapart, in dem die Reaktionen der Familie Salmon nach Susies Tod dargestellt werden. Und auch hier merkt man, dass die Zersplitterung des Films in so viele Teilaspekte dem Gesamtprodukt eher schaden, denn das volle Potenzial dieses Plots wird ebenfalls nicht voll ausgeschöpft. Zwar sorgt Susan Sarandon als alkohol- und pillenabhängige Grossmutter für einige heitere Momente und lockert das Geschehen bisweilen auf, aber da die übrigen Charaktere eher blass bleiben, hält der comic relief nicht lange vor.
Zudem sorgen diese unterschiedlichen Teile des Films für einen weiteren, unangenehmen Nebeneffekt: die gesamte Handlung wirkt langatmig und unbeweglich, die Szenen ziehen sich unglaublich in die Länge, und nach einiger Zeit erwischt man sich dabei, auf die Uhr zu schauen und sich zu fragen, wie lange es jetzt wohl noch dauern mag, bis der Film endlich zu einem Schluss kommt. Zwar sind die einzelnen Handlungsstränge nicht völlig ausgereift, aber so, wie sie erzählt worden sind, hätten dem Film 30 Minuten weniger nicht geschadet, da an der Handlung einiges hätte gestrafft werden können. Der Grund dafür ist leider eindeutig die Regie. Peter Jackson war bei der “Herr der Ringe”-Trilogie auf dem absoluten Höhepunkt seines Schaffens, aber bei “In meinem Himmel” ist er leider nur noch ein Schatten seiner selbst.

Fazit:
“In meinem Himmel” ist definitiv keine leichte Kost. Nicht nur, dass das Thema eigentlich zu ernst und zu traurig ist, um einen leichtherzigen Film zu machen (dass es zumindest etwas leichtherziger geht, beweist die Romanvorlage), auch schafft es Peter Jackson nicht, auf einer subtilen Ebene mit seinem Publikum zu spielen, sondern packt stattdessen lieber den Holzhammer mit der Aufschrift “Effekte” aus. Grundsätzlich würde ich diesen Film auch nur Peter Jackson-Fans empfehlen: den Freunden von Alice Sebolds Roman dürfte der Film hingegen genauso wenig gefallen wie dem durchschnittlichen Kinogänger, der sich an der Langatmigkeit der Erzählung stören dürfte. Generell würde ich empfehlen, dass man sich das Geld an der Kinokasse spart und sich den Film später im Free-TV anschaut – auf arte sollte er ebenfalls werbefrei zu sehen sein.

Bewertung: 4 von 10 Punkten.