Sneak Review: I love you, Phillip Morris


Regie: Glenn Ficarra, John Requa

Darsteller: Jim Carrey, Ewan McGregor, Rodrigo Santoro, Leslie Mann

Laufzeit: 102 Minuten

Kinostart in Deutschland: 29.04.2010

FSK: noch nicht geprüft

Zur Handlung:
Steven Russell (Jim Carrey) führt ein unauffälliges Leben. Seine Ehe mit Debbie (Leslie Mann) verläuft harmonisch, er hat eine süße Tochter, ist populär und hat keine Probleme in seinem Job als Polizist. Da er allerdings als Kind adoptiert worden ist, macht er sich auf die Suche nach seiner richtigen Mutter (Marylouise Burke). Als er sie gefunden hat, weist sie ihn jedoch brüsk zurück.
Russell zieht daraufhin mit seiner Familie nach Texas, wo er sich relativ schnell ein erfolgreiches Leben aufbaut. Nachdem er jedoch Opfer eines Autounfalls wird, entscheidet er sich, keine Lüge leben zu wollen, outet sich als homosexuell und verlässt seine Familie, um ein neues Leben zu beginnen. Da sich das Leben mit seinem neuen Partner Jimmy (Rodrigo Santoro) jedoch als sehr kostspielig erweist, beginnt er, um seinen hohen Lebensstandard halten zu können, mit kleineren Betrügereien. Als er dabei jedoch erwischt wird, versucht er zunächst, sich selbst umzubringen, wird jedoch gerettet und landet letztlich im Gefängnis.
Dort begegnet er nach einiger Zeit dem ebenfalls inhaftierten Phillip Morris (Ewan McGregor), dem er sich als Anwalt vorstellt. Nach einiger Zeit werden die beiden ein Liebespaar, wobei Russell seinen Einfluss nutzt, um den beiden das Leben angenehmer zu machen. Nachdem er jedoch verlegt worden ist, wendet er das erstmal Tricks an, um aus der Haft entlassen zu werden und letztlich Morris als dessen Anwalt aus dem Gefängnis heraus zu holen.
Außerhalb des Gefängnisses fangen die beiden ein gemeinsames Leben an. Da Russell jedoch seinem Lebenspartner ein angenehmes Leben bieten will, beginnt er erneut mit Betrügereien. So gibt er erneut vor, ein Anwalt zu sein, um einer ehemaligen Nachbarin von Morris bei einer Klage zu helfen. Später arbeitet er bei einem Unternehmen, das Sozialabgaben verwaltet, und unterschlägt über $ 800.000, bevor er erneut gefasst wird. Bevor er jedoch abgeführt werden kann, hat ihn Morris bereits verlassen.
Im Laufe der folgenden Jahre versucht Russell immer wieder, aus dem Gefängnis auszubrechen, wird aber immer wieder nach kurzer Zeit gefasst. Wobei er bei einem Ausbruchsversuch bis zu Phillip Morris gelangt und diesen dadurch wieder ins Gefängnis bringt.
Kurze Zeit später erfährt Morris jedoch, dass sein ehemaliger Lebensgefährte HIV-positiv ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Er möchte Russell noch ein letztes Mal sehen, erfährt dann aber, dass er bereits in eine Privatklinik verlegt worden ist. Kurz vor Russells Tod darf Morris dann noch einmal mit ihm telefonieren, bevor Russell dann stirbt…
Wie er glaubt, denn Russell hat mit Hilfe von Tabletten und gefälschten Unterlagen seine eigene HIV-Erkrankung und seinen Tod vorgetäuscht, um Morris letztlich erneut befreien zu können. Doch bevor es zur Bewährungsverhandlung kommen kann, wird Russell erneut entdeckt und letztlich zu einer Haftstrafe von 144 Jahren verurteilt.

Kritik:
Was eigentlich nach einer völlig unrealistischen Geschichte klingt, hat sich tatsächlich so abgespielt. Zwischen 1993 und 1998 wurde Steven Jay Russell zu einem der berühmtesten Betrüger und Ausbrecherkönig der USA. Auf der Grundlage seines Lebens hat der amerikanische Autor Steve McVicker das Buch „I Love You Phillip Morris: A True Story of Life, Love, and Prison Breaks“ geschrieben, welches wiederum die Vorlage für diesen Film abgeliefert hat.
Verständlicherweise wurden die Zeiträume stark verkürzt dargestellt, und auch die Reihenfolge der einzelnen Ausbrüche und Wiedersehen mit Morris sind nicht zwangsläufig authentisch, allerdings legt der Film wohl auch keinen Wert auf eine realistische Wiedergabe der damaligen Geschehnisse. Vielmehr ist „I love you, Phillip Morris“ eine temporeiche und kurzweilige Komödie, bei der zwar auf einige Klischees bzgl. Homosexualität und Gefängnisse eingegangen wird, ohne jedoch in irgendeiner Form homophob zu werden. Jim Carrey passt durch sein chronisches Overacting perfekt in die Rolle eines extrovertierten und selbstbewussten Betrügers, während Ewan McGregor in mir doch gemischte Gefühle erweckt: einerseits bringt er die Rolle des etwas ruhigeren Lovers gut rüber. Andererseits ist Ewan McGregor Obi-Wan Kenobi, neben Yoda wohl der coolste Jedi in der gesamten Star Wars-Republik. Und ihn jetzt als introvertierten, leicht feminin angehauchten Softie zu sehen, zerstört da doch ein Weltbild. Andererseits beweist das auch wieder, was für ein guter Schauspieler McGregor eigentlich ist.
Die Regie liefert einen soliden Job ab, obwohl der Film für beide im Prinzip die erste eigene Regiearbeit darstellt, und auch sonst ist technisch nicht viel an dem Film zu bemängeln. Zwar wird die ganze Liebesgeschichte teilweise auf dem Niveau einer Judd Apatow-Komödie verarbeitet, aber als bewusst überspitzte Darstellung lässt sich damit durchaus leben. Schade ist nur, dass in dem Film House und Techno als typische Musikrichtung von Homosexuellen dargestellt wird. Allerdings schadet dies dem Film genauso wenig wie die eher tragischen Momente, die von den wirklich hervorragend agierenden Akteuren aber auch gut getragen werden.

Fazit:
„I love you, Phillip Morris“ ist als Tragikomödie sehr gelungen, wobei man natürlich keine Biographie über das Leben von Steven Jay Russell erwarten darf. Beide Hauptdarsteller füllen ihren Part gut aus, und das flotte Tempo und die kurzweilige Erzählart machen den Film unterhaltsam. Wer sich an homoerotischen Liebesszenen, die doch etwas deftiger sind als bei Brokeback Mountain, nicht stört, kann eine wirklich unterhaltsame Komödie erleben.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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