Kino-Review: Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (3D)

Regie: Peter Jackson

Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Ian Holm, Elijah Wood, Richard Armitage, Ken Stott, Graham McTavish, John Callen, Peter Hambleton, Aidan Turner, Dean O’Gorman, Mark Hadlow, Jed Brophy, Adam Brown, William Kircher, James Nesbitt, Stephen Hunter, Andy Serkis, Sylvester McCoy, Christopher Lee, Cate Blanchett, Hugo Weaving

Laufzeit: 169 Minuten

Kinostart in Deutschland: 13. Dezember 2012

FSK: ab 12 Jahren


In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem feuchten, schmutzigen Loch, wo es nach Moder riecht und Wurmzipfel von den Wänden herabhängen, und auch nicht in einer trockenen, kahlen Sandgrube ohne Tische und Stühle, wo man sich zum Essen hinsetzen könnte: nein, das Loch war eine Hobbithöhle, und das heißt, es war sehr komfortabel.”
Als J.R.R. Tolkien mit diesen Worten 1937 seinen Roman “The Hobbit” veröffentlichte, hat vermutlich nicht einmal er selbst erahnen können, dass er damit einmal eine der bekanntesten Fantasywelten und die Grundlage für eins der größten und erfolgreichsten Filmfranchises erschaffen würde. “Der Hobbit” wurde zu einem Bestseller und genau wie sein Nachfolger “Der Herr der Ringe” letztlich zu einem Klassiker der Jugendliteratur. Auf Grund der detailliert ausgeschmückten Welt und den vielen unterschiedlichen Kreaturen u.v.m. galten beide Geschichten lange Zeit als unverfilmbar – zwar hatte sich Ralph Bakshi schon 1978 an einer Zeichentrickverfilmung des “Herrn der Ringe” versucht, diese umfasst aber nur die Bände “Die Gefährten” und (teilweise) “Die zwei Türme”; zu einer ursprünglich geplanten Fortsetzung durch Bakshi selbst kam es nicht mehr. Erst Ende der 1990er konnte sich Peter Jackson mit seiner Idee einer Realverfilmung aller drei Bände durchsetzen – und schuf damit die erfolgreichste Filmtrilogie der Welt. Ein Einspielergebnis von knapp 3 Milliarden Dollar an den Kinos, 17 Oscars bei 30 Nominierungen – keine andere Filmtrilogie kann mit solchen Zahlen aufwarten. Kein Wunder also, dass man es später Jackson auch zutraute, den Hobbit zu realisieren. Zunächst sollte Guillermo del Toro die Regie übernehmen, doch letztlich wurde Jackson, der eigentlich nur als Ausführender Produzent in Erscheinung treten wollte, übernahm letztlich die Regie, nachdem del Toro aus dem Projekt ausstieg. Und nach langen juristischen Streitereien, Streiks und anderen Terminverzögerungen wurde der Hobbit im Dezember 2012 endlich auf die von seinen Fans lange erwartete Reise geschickt…

Zur Handlung:
Die Geschichte beginnt am Tag von Bilbo Beutlins (Holm) 111. Geburtstag (siehe Der Herr der Ringe – Die Gefährten), als Bilbo vor Beginn der großen Feierlichkeiten beginnt, die Geschichte seiner früheren Reise zu schreiben…
Es ist knappe 60 Jahre her, seit der junge Bilbo (Freeman) Besuch vom Zauberer Gandalf (McKellen) bekommen hat. Bilbo, der in seiner Jugend zwar als abenteuerlustig galt, inzwischen aber in Beutelsend sesshaft geworden ist, wird nach einigen Diskussionen überzeugt, sich der Gruppe zwergischer Abenteurer um Thorin Eichenschild (Armitage) anzuschließen, die auf dem Weg zum Einsamen Berg sind. Auf Anraten Gandalfs soll Bilbo die Zwerge als Meisterdieb begleiten, um sich in die Kammer des Drachen Smaug (Benedict Cumberbatch) zu schleichen und den Drachen letztlich zu vertreiben, doch sowohl die Zwerge als auch Bilbo selbst bezweifeln die Fähigkeiten des Hobbits; Thorin steht dem Hobbit sogar ablehnend gegenüber und bezeichnet ihn mehrmals als Last. Nichtsdestotrotz macht sich die Gruppe auf die Reise, und nach kurzem gelingt es Bilbo, sich mit Balin (Stott), Dwalin (McTavish), Kili (Turner) und Fili (O’Gorman) anzufreunden.
Die Reise verläuft weitestgehend ereignislos, bis sie auf einen verlassenen und zerstörten Bauernhof treffen. Dort verschwinden nicht nur einige ihrer Ponies; als Fili und Kili Bilbo zu einer Feuerstelle schicken, trifft Bilbo dort auf die drei Trolle Bill (Hambleton), Tom (Hadlow) und Bert (Kircher). Beim Versuch, die Ponies zu befreien, wird Bilbo erwischt. Zwar versuchen die Zwerge, ihn zu retten, können sich aber nicht gegen die größeren und stärkeren Trolle durchsetzen und werden ebenfalls gefangengenommen. Daraufhin beschließen die Trolle, Bilbo und die Zwerge zu fressen; da sie sich jedoch nicht einigen können, wie man die Zwerge am besten zubereiten soll, kann Bilbo etwas Zeit schinden, bis Gandalf mit Hilfe der aufgehenden Sonne, die die Trolle zu Stein erstarren lassen, die Gruppe retten kann. In der Höhe der Trolle findet die Gruppe außer Gold auch die Elbenschwerter Orcrist und Glamdring, die Thorin und Gandalf zu ihren Waffen machen, sowie ein langes Messer, das an Bilbo übergeben wird.
In der Zwischenzeit bemerkt der Zauberer Radagast der Braune (McCoy) merkwürdige Dinge im Düsterwald: Tiere verenden qualvoll, überall gibt es riesige Spinnennetze, und von der Festungsruine Dol Guldur scheint eine finstere Macht auszugehen. Als Radagast Dol Guldur untersuchen will, begegnet er einem Nekromanten (Cumberbatch) sowie dem Hexenkönig von Angmar, der Radagast mit einer Morgulklinge angreifen will. Der Zauberer kann dem Angriff jedoch entkommen und flieht geradewegs zu Gandalf, dem er die Klinge übergibt. Anschließend hilft er der Gruppe bei der Flucht vor den angreifenden Orkscharen Azogs (Manu Bennett), einem alten Feind von Thorin.
Die Flucht der Gruppe führt sie schließlich nach Bruchtal, wo ihnen Elrond Unterkunft gewährt und Thorin dabei hilft, eine Karte, die Thron von seinem Vater geerbt hat, zu entschlüsseln. Während sich Bilbo und die Zwerge von den Strapazen der Reise erholen, halten Elrond, Gandalf, Galadriel (Blanchett) und Saruman (Lee) gemeinsam Rat ab. Gandalf schlägt vor, etwas gegen den Nekromanten zu unternehmen, doch Saruman zweifelt an der Faktenlage und kritisiert Gandalf offen für den geplanten Angriff auf Smaug. Galadriel unterstützt Gandalf jedoch, der diesen Rat auch als Ablenkung für Elrond und Saruman nutzt, da die Gruppe in derselben Nacht aus Bruchtal aufbricht.
Im Nebelgebirge übersteht die Gruppe nur knapp den Kampf der Steinriesen und lässt sich dann in einer Höhle nieder. Bilbo, der von Thorins Abneigung ziemlich verletzt ist, will dann die Gruppe verlassen und ins Auenland zurückkehren, doch in diesem Moment öffnet sich ein Spalt im Boden, und die gesamte Gruppe wird von Orks gefangengenommen. Frodo schafft es jedoch nach kurzer Zeit, aus dem Gewahrsam der Orks zu verschwinden, stürzt jedoch zusammen mit einem Ork in einen Abgrund. Dort sieht Frodo, wie der Ork von der Kreatur Gollum (Serkis) verschleppt, getötet und gefressen wird. Als Gollum jedoch den Ork in seine Höhle schleppen will, verliert er dabei einen unscheinbaren goldenen Ring, den Bilbo an sich nimmt. Gollum bemerkt Bilbo, der sich nur mithilfe seines Schwerts gegen Gollum wehren kann und dabei die gespaltene Persönlichkeit Gollums erkennt. Die Beiden einigen sich auf ein Spiel: Gewinnt Bilbo, muss Gollum ihn den Weg aus der Höhe verraten; gewinnt Gollum, muss Bilbo sterben. Das Duell der Beiden ist sehr ausgeglichen, bis Bilbo zufällig den Ring berührt und daraufhin fragt, was er in seiner Tasche habe. Gollum kann dies nicht erraten und verliert; anstatt Bilbo jedoch zu helfen, sucht Gollum nur nach seinem Ring, bemerkt dessen Verschwinden und erkennt, dass Bilbo den Ring an sich genommen haben muss. Er bezeichnet Bilbo als Dieb und will ihn umbringen, jedoch kann sich Bilbo erst verstecken und streift sich kurz vor einer Entdeckung durch Zufall den Ring über den Finger – und wird scheinbar unsichtbar. Unterdessen werden die Zwerge zum Orkkönig (Barry Humphries) gebracht, der die Zwerge foltern und töten will. Dann erscheint jedoch Gandalf, der der Gruppe dabei hilft, den Orkkönig zu töten und aus der Orksiedlung zu entkommen. Dabei laufen sie Bilbo über den Weg, der sich ihnen kurzerhand anschließt und so Gollum entkommt. Gollum schwört den Beutlins daraufhin ewige Feindschaft.
Aus der Höhle entkommen, wird die Gruppe jedoch von Azogs Orks und Wargen angegriffen und auf einen Baum getrieben, der in einen Abgrund zu stürzen droht. Thorin will daraufhin Azog angreifen, wird jedoch überwältigt und soll nun getötet werden. Bilbo springt jedoch dazwischen und rettet so Thorin; bevor nun jedoch Bilbo getötet werden kann, erscheinen von Gandalf gerufene Große Adler, die die gesamte Gruppe aus ihrer Lage befreien und weit mit sich tragen. Als die Gruppe letztlich wieder abgesetzt wird, ist der Einsame Berg bereits in Sichtweite. Thorin entschuldigt sich nach seiner Rettung bei Bilbo für sein früheres Verhalten, bedankt sich bei ihm und erkennt ihn endlich als vollwertiges Gruppenmitglied an. Dann bemerkt die Gruppe eine Drossel, die auf dem Weg zum Einsamen Berg ist und sehen dies als gutes Omen an; die Drossel schlägt, wie in einer alten Prophezeiung der Zwerge, die die Rückkehr zum Berg verheißt, mit einem Stein gegen den Berg, so dass Smaug letztlich erwacht.

Kritik:
Da ist sie also, nach fast 10 Jahren – die Rückkehr nach Mittelerde. Und es scheint, als hätte sich nichts verändert. Die Landschaften sind nach wie vor malerisch, die Figuren scheinen kaum gealtert zu sein (außer Gandalf; scheinbar hat man vergessen, Ian McKellen ein paar Jahre wegzuschminken), und Peter Jackson nimmt uns mit auf ein Abenteuer voller großer Schlachten und wichtiger Entscheidungen. So weit so gut – aber wie schafft es Jackson, ein Drittel eines Romans, der insgesamt kürzer ist als ein Teil des “Herrn der Ringe”, auf fast 3 Stunden aufzublähen? Die Antwort ist relativ simpel: extensives Storytelling. Wo Jackson beim Herrn der Ringe Sequenzen verkürzen oder komplett schneiden musste (z.B. die Episoden im Alten Wald oder die Rückkehr ins Auenland), kann er die Geschichte hier strecken und zusätzliche Nebenplots einbauen, so geschehen beispielsweise mit der Rahmenhandlung, die eine Brücke zum Herrn der Ringe schlagen sollte und uns durch die Verwendung der gewohnten Darsteller Elijah Wood und Ian Holm die Integration in die neue Geschichte erleichtern sollte. Auch der etwas ausführlicher erzählte Hintergrund der Zwerge ist nicht werksgetreu, sorgt aber zumindest für etwas Atmosphäre. Insgesamt ist die Rahmensequenz aber schon sehr lang geraten, bei Nicht-Fans besteht dort durchaus die Gefahr, dass sie durch die Längen am Beginn das Interesse verlieren.
Sobald sich unsere Helden jedoch auf die Reise gemacht haben, wird die Geschichte kurzweilig und überraschend werksgetreu. Zwar wurde die Szene mit den Trollen geändert und die Szenen mit Radagast und dem Weißen Rat ergänzt, dies ist aber durchaus verzeihlich, wenngleich gerade die Szenen mit Radagast relativ kindgerecht wirken und daher auch einen Humor bedienen, den viele erwachsene Zuschauer nicht mehr unbedingt teilen.
Generell scheint sich Jackson ziemlich schwergetan zu haben, für welche Zielgruppe er den Film aufbauen soll. Trivialhumor mit lauten Rülpser wechselt sich ab mit den größtenteils kindgerechten Szenen Radagasts sowie großen Schlachtszenen mit unzähligen Enthauptungen und noch mehr Toten. Ein Spagat, der nicht wirklich gelungen erscheint.
Zu den größten Änderungen dürfte jedoch die Darstellung der Zwerge gehören. Nicht erst seit dem “Herrn der Ringe” gelten Zwerge als Personen mit extrem großen Bärten und einem eher knubbeligen Gesicht. Thorin, Fili und Kili haben jedoch menschlich ebenmäßige Gesichtszüge. Was bei Fili und Kili mit deren Jugend zu erklären ist, dürfte bei Thorin wohl in dessen vornehmer Herkunft begründet sein, ist Thorin im Roman doch einer der ältesten Zwerge. Überhaupt ist der Roman-Thorin kaum mit dem Film-Thorin vergleichbar. Ist Thorin im Roman ein anfangs wohlgesitteter, vornehmer Zwerg, so erscheint er in “Eine unerwartete Reise” viel ablehnender, finsterer und aggressiver. In der Hinsicht soll er wohl stärker Aragorn aus dem “Herrn der Ringe” ähneln, wobei beiden eine große, beinahe unmögliche Aufgabe bevorsteht, Aragorn allerdings sanftmütiger und dadurch edler wirkt als Thorin. Letztlich ist jedoch auch das tolerabel; wahre Mittelerde-Fans dürften wohl viel eher bei der subtil angedeuteten Romanze zwischen Gandalf und Galadriel aufschreien…
Wenn man über einen Fantasyfilm dieses Kalibers schreibt, muss auf jeden Fall auch über die Bilder und die verwendete Technik geschrieben werden. Und da zeigt Peter Jackson, dass er absolut nichts verlernt hat. Prachtvolle Landschaftsbilder, gewaltige inszenierte Schlachten, wie immer untermalt von einem stimmigen Score, bei dem es Howard Shore geschafft hat, die alten Leitmotive wirklich passend in die neuen Kompositionen zu integrieren – das ist genau das, was alle erwarten, und davon gibt es dementsprechend auch reichlich! Die 3D-Technologie sorgt dabei für eine angenehme Tiefenwahrnehmung und überreizt das Auge nicht mit aus dem Bild heraustretenden Objekten. Apropos Auge: Das High Frame Rate 3D ist durchaus nützlich, da bei vielen schnellen Kameraschwenks die Bewegungsunschärfe ausbleibt – der Nachteil ist jedoch, dass das Bild bisweilen in solchen Situationen ruckelig wird. Dennoch ist davon auszugehen, dass dieser Technik die Zukunft gehören wird, es ist allerdings abzuwarten, ob man wirklich bei 48 Bildern pro Sekunde bleibt, oder ob man sich noch auf eine andere Bildzahl einigt.
Aufgrund des großen Ensembles ist es schwer, einzelne Darsteller besonders hervorzuheben. So ist es letztlich eine Szene, die besondere Beachtung verdient: das Rätselduell zwischen Bilbo und Gollum. Während nur wenige Meter über ihren Köpfen eine blutige Schlacht tobt, inszeniert Jackson dieses Duell mit beinahe kammerspielartiger Intimität. Auch ein großes Lob an Martin Freeman und Andy Serkis, der erneut das Performance Capture-Model für Gollum mimen durfte. Bessere Technologien sorgen hier jedoch für eine weitaus bessere Mimik Gollums, was seine ständigen Gesinnungswandel noch besser zum Ausdruck bringt. Diese wenigen Minuten, in denen Bilbo um sein Leben rätselt, und die im krassen Gegensatz zum gleichzeitig verlaufenden Überlebenskampf der Zwerge stehen, sind für mich das wahre Highlight des Films.

Fazit:
“Der Hobbit – Eine unerwartete Reise” bietet genau das, was viele von ihm erwarten: Bombastische Unterhaltung. Wenn man die etwas lang wirkende Eingangssequenz außer Acht lässt, ist der Film trotz fast 3 Stunden Spielzeit recht kurzweilig gehalten, was auch an der abwechslungsreichen Inszenierung mit bis zu drei parallel verlaufenden Plotlinien liegt. Dennoch hat es Peter Jackson geschafft, daraus eine schlüssige Handlung zu stricken. Die nach “Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs” extrem hohen Erwartungen könnte Jackson zwar nicht erfüllen, dennoch verbleibt unter dem Strich ein guter Film, bei dem die Handlung mindestens genauso wichtig ist wie die verwendeten Effekte. So macht der Film auf jeden Fall schon einmal Lust auf “Der Hobbit – Die Einöde von Smaug”; ob Teil 2 dann die Ansprüche der Fans erfüllen kann, wird sich zeigen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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