Datenschutz für Jedermann: Mia Weber oder: Warum Medienkompetenz und IT-Sicherheit Hand in Hand gehen
Wie viele andere Menschen auch, bin auch ich nach wie vor als User bei Facebook angemeldet. Es ist immer noch eine bequeme Möglichkeit, am Leben von Freunden, Verwandten und Bekannten teilzuhaben und sich mit ihnen auszutauschen. Dafür nutze ich nicht nur die Freundschaftsliste und den Feed, sondern auch lokale oder thematisch passende Facebook-Gruppen. An den vergangenen Wochenenden ist es in einigen der lokalen Gruppen, in denen ich aktiv bin, allerdings zu wiederholten Zwischenfällen gekommen, die zeigen, wie wichtig es ist, gerade im Internet kritisch zu bleiben.
Was ist geschehen?
In den Facebook-Gruppen wurden Nachrichten wie die folgende geteilt:

Wenn man dem Link, der sich hinter dem Bild verbirgt, folgt, landet man auf einer Webseite, auf der man seine Facebook-Anmeldedaten eingeben soll. Was dann passiert, kann man sich denken. Plötzlich wird der User, der eigentlich nur mehr zum vermissten Mädchen „Mia Weber“ lesen wollte, selbst zum Spamposter. Kein Wunder, denn man hat seine Accountdaten nicht bei Facebook eingegeben, sondern auf einer Phishing-Seite. Und die Angreifer, die sich hinter den Seiten verstecken, nutzen die Kontodaten, um ihren Spam weiter zu verbreiten.
Was ist denn nun mit Mia Weber?
Es gibt keine Mia Weber, und glücklicherweise ist auch kein Kind verschwunden! Es handelt sich einfach nur um eine perfide Masche von Cyberkriminellen, die das Mitgefühl oder die Neugier von Usern ausnutzen wollen, um auf die Weise Zugriff zu Accountdaten zu erhalten. Dafür ist es erforderlich, eine Schlagzeile zu verwenden, die eine möglichst große Bandbreite an Usern interessieren könnte. Und das Verschwinden der 9 Jahre alten Mia Weber, die letztlich nur ein zufällig erstellter Name und ein Stockfoto ist, stellt genau eine solche Schlagzeile dar.
Was sollte man tun?
Wenn man in sozialen Medien mit solchen Schlagzeilen konfrontiert wird, ist es wichtig, kritisch zu bleiben und nicht blind auf die Schlagzeile zu reagieren. Oftmals lohnt es sich, das Sharepic genauer anzuschauen, insbesondere den Bereich, in dem Facebook die dahinterliegende Webseite postet:

„extracareliving.com“ klingt nun nicht wie eine Nachrichtenseite. Eher wie eine Webseite, deren Domain von Cyberkriminellen gekapert worden ist. Noch wesentlich kritischer sollte man werden, wenn man tatsächlich eine solche Webseite aufruft. Wenn sich dort als erstes eine Login-Maske für ein soziales Medium oder ein anderes Konto verbirgt, sollte man an dieser Stelle abbrechen und die Webseite schließen.
Ebenfalls sinnvoll ist es, solche Fake-Nachrichten bei Facebook zu melden. Als Grund kann man hier gut Fehlinformationen angeben. Wichtig: In Gruppen bietet es sich an, zusätzlich auch die Option „An Gruppenadmins melden“ auszuwählen. So können diese zeitnah auf die Fehlinformationen reagieren und diese entfernen. Wer privat Kontakt zu den Kontoinhabern der postenden Accounts hat, sollte dies nutzen, sie auf das Problem hinweisen und ihnen empfehlen, zeitnah das Passwort für den Facebook-Account zu ändern, um auf diese Weise die Kriminellen wieder auszuschließen.
Fazit
„Mia Weber“ zeigt, dass es nicht nur wichtig ist, in sozialen Medien Medienkompetenz zu beweisen. Auch aus Sicht der IT-Sicherheit ist es wichtig, jeden Link zu hinterfragen und besonders kritisch zu sein, wenn man sich auf (vermeintlichen) Dritt-Seiten mit den Daten von sozialen Medien o.ä. einloggen soll. Ein großer Teil der „Mein Facebook-Konto wurde gehackt“-Mitteilungen ist nämlich falsch: Ihr wurdet nicht gehackt in dem Sinne, dass jemand euer Passwort geknackt hat und sich so Zugriff verschaffen konnte. In vielen Fällen seid ihr selbst durch nachlässigen Umgang mit euren Kontodaten für den „Hack“ verantwortlich. Und wenn ihr eure Passwörter wiederverwendet, müsst ihr euch nicht wundern, wenn auch weitere Benutzerkonten von euch übernommen werden. Dagegen hilft wirklich nur: aufpassen, Links hinterfragen und vor allem: keine Fakelinks weiterverbreiten!
Quellen:
https://ga.de/news/panorama/falsche-fahndungsposts-zu-mia-weber-und-clara-schulz
https://www.mimikama.org/fake-kindesentfuehrungen-auf-facebook/
