Sneak Review: Türkisch für Anfänger

TürkischfürAnfänger

Regie: Bora Dağtekin

Darsteller: Josefine Preuß, Elias M’Barek, Pegah Ferydoni, Arnel Taci, Anna Stieblich, Adnan Maral, Katja Riemann, Günther Kaufmann

Laufzeit: 100 Minuten

Kinostart in Deutschland: 15. März 2012

FSK: ab 12 Jahren

Zur Handlung:

Die junge und leicht neurotische Lena Schneider (Preuß) will mit ihrer Mutter Doris (Stieblich), einer Alt-68erin und Sexualtherapeutin, einen Urlaub in Thailand verbringen. Da Lena jedoch das genaue Gegenteil von ihrer Mutter ist und es dementsprechend oftmals beiderseitiges Unverständnis gibt, hat sie für sich einen Platz in einer anderen Sitzreihe gebucht. Dort sitzt sie neben dem jungen Türken Cem (M’Barek). Dieser will ebenfalls einen Thailandurlaub zusammen mit seinem verwitweten Vater Metin (Maral), einem Polizisten, und seiner jüngeren Schwester Yağmur (Ferydoni) verbringen. Während des Flugs stürzt die Maschine ab. Scheinbar überleben alle, doch die Rettungsinsel von Lena, Cem und Yağmur sowie dem stotternden Griechen Costa (Taci) wird an eine einsame Insel gespült. Während sich die Eltern in ihrem Urlaubshotel langsam näher kommen, müssen die Jugendlichen auf der Insel zurecht finden. Zwar finden sie eine verlassene Hütte, in der sie übernachten können und ein Funkgerät finden, mit dem sie ihren Eltern zumindest mitteilen können, dass sie gesund sind. Da aber der Funkpeilsender des Rettungsfloßes zu schwach ist, um mit den vorhandenen Mitteln angepeilt zu werden, wollen sie versuchen, den Sender auf den höchsten Berg der Insel zu bringen. Als sie sich auf den Weg machen, kommen sie jedoch an einem Eingeborenendorf vorbei, in dem eine blonde Frau (Riemann) augenscheinlich getötet wird. Fluchtartig treten sie den Rückzug an. Langsam kommen sich Lena und Cem, die sich anfangs über die Anführerrolle gestritten haben, näher – ein Kunststück zwischen der neurotischen Emanze und dem Möchtegern-Gangster. Als sich Lena an einem Seeigel verletzt, ist es letztlich Cem, der sie zu den Eingeborenen bringt in der Hoffnung, dass sie dort kuriert wird. Dabei stellt sich heraus, dass die blonde Frau die ehemalige Forscherin Uschi ist, die einen Eingeborenen geheiratet und den Stamm zivilisiert hat. Mit Hilfe eines Satellitentelefons können sie dann auch ihre Eltern verständigen, so dass sie den letzten Abend auf der Insel feiern können. Während Yağmur und Costa sich langsam näher kommen, verbringen Cem und Lena die Nacht miteinander, wobei Lena von Uschis THC-haltiger Friedenspfeife berauscht war. Am nächsten Morgen findet Lena heraus, dass Cem und Costa darum gewettet haben, dass Cem mit Lena schläft. Lena ist deswegen verletzt und umso entsetzter, als sie erfährt, dass sich ihre Mutter mit Metin verabredet hat. Lena versucht alles, um Cem loszuwerden und geht dabei sogar so weit, dass sie Metin glauben lässt, die Bande, während der seine Familie in einem Zeugenschutzprogramm gelandet sind, hätte ihn jetzt wieder gefunden. Dann erfährt sie aber, dass Cem und sie doch keinen Sex hatten, woraufhin sie die Tat gegenüber Doris eingesteht und es die beiden am Ende doch noch schaffen, Metin, Cem und Yağmur vor ihrer Abreise abzufangen. Cem und Lena gestehen sich ihre Liebe ein, und am Ende feiern Metin und Doris, Cem und Lena, Costa und Yağmur gemeinsam auf der einsamen Insel.

 

Kritik:

Lena und Doris Schneider, Cem, Metin und Yağmur Öztürk, Costa…wem diese Namen bekannt vorkommen, der wird sich an die Serie “Türkisch für Anfänger” erinnern, die noch vor ein paar Jahren auf ARD ausgestrahlt wurde. Da ich die Serie nie gesehen habe, kann ich keine Aussage darüber treffen, wie stark die Unterschiede zwischen den Serien- und den Filmcharakteren ausgeprägt sind. Die Filmcharaktere triefen jedenfalls vor Klischees. Da wäre zum Beispiel Lena, die intellektuelle Feministin, Emma-Abonnentin mit hohem Nervensägenfaktor, dann Cem, der wohlbehütete Junge aus Charlottenburg, der so gerne der harte Kerl aus den Straßen Kreuzbergs wäre, oder die unendlich peinliche Doris, die mit Mitte 40 Jungs nachsteigt, die eher im Alter ihrer Tochter sind, sich beinahe mit einer männlichen Prostituierten einlässt und im Justin Bieber-Badeanzug am Pool auftaucht und somit der perfekte Grund zum Fremdschämen ist. Zu den nicht unbedingt sympathisch wirkenden Hauptfiguren gesellen sich dann noch viele Stereotypen und wirklich alberne Witze, und das ganze dann noch in eine unsinnige Story verpackt. Das ganze wird dann als Multikulti-Clash verkauft und soll vermutlich lustig sein. Das Problem ist: Es ist nicht lustig. Zwar gibt es einige Gags, die vom Timing her wirklich sehr gut sitzen, aber zu viele Witze sind einfach schlecht oder zünden nicht. Zudem erinnert die dreifache Geschichte von zwei unterschiedlichen Charakteren, die sich ineinander verlieben, zu sehr an diverse seichte Liebeskomödien. Dass man den Darstellern zudem ihr Teeniedasein nicht abnimmt, kommt dann noch erschwerend hinzu. Überflüssig ist zudem der Einbau prominenter Nebendarsteller. Katja Riemann und Günther Kaufmann waren in ihren Rollen zwar eindeutig zu erkennen, aber aufgrund der Oberflächlichkeit ihrer Figuren hätte es ausgereicht, ihnen einfache Cameo-Auftritte zu geben. So waren die beiden Darsteller in ihren Rollen einfach verschwendet.

Zudem weist der Film auch handwerkliche Mängel auf. Gerade der Anfang erinnert von Schnitt oder Musikunterlegung her an einen Trailer, da viele Sequenzen einfach aneinandergereiht wurden. Zwar verständlich, da es nur die Einleitung gewesen ist, dennoch ist ein solcher Stil etwas irritierend. Aber auch sonst hat die zwanghafte Unterlegung von Filmsequenzen mit moderner Popmusik etwas von einer Daily Soap oder Telenovela, die ja bekanntermaßen die hohe Kunst des deutschen Fernsehens darstellen. Der auch auf einem bekannten Videoportal gehypte Song der Figur “Cem” ist natürlich ein bewusster Grund zum Fremdschämen, dürfte aber als Parodie auf viele deutsche Hiphopper durchaus gelungen sein.

 

Fazit:

Türkisch für Anfänger ist in erster Linie ein Film für Freunde der besonders seichten Unterhaltung und vielleicht noch für Fans der Serie, auch wenn die beschriebene Handlung nichts mit der aus der Serie zu tun hat. Ansonsten bietet sich der Film wirklich nur für eine Sneak Preview an – wenngleich die Marketingaktionen, die den Film begleiten, etwas anderes deutlich machen wollen – oder eben für die Verwertung bei ARD oder einem dritten Programm. Wobei man dann wieder die Frage stellen müsste, warum so ein Film dann wahrscheinlich um 20.15 Uhr laufen darf, während die wirklich guten Filme ins Nachtprogramm verbannt werden. Wie dem auch sei, es mag Leute geben, die sich den Film anschauen wollen, ich gehöre nicht dazu. Einmal reicht, um wirklich alle Gags mitzubekommen.

 

Bewertung: 2 von 10 Punkten.

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