Kino-Review: Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten

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Regie: Rob Marshall

Darsteller: Johnny Depp, Penélope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane, Kevin McNally, Richard Griffiths, Stephen Graham, Greg Ellis, Damian O’Hare, Àstrid Bergès-Frisbey, Sam Claflin, Keith Richards, Gemma Ward, Judi Dench, Óscar Jaenada

Laufzeit: 136 Minuten

Kinostart in Deutschland: 19. Mai 2011

FSK: ab 12 Jahren

Zur Handlung:

Vor der spanischen Küste finden Fischer einen alten Mann, den sie letztlich zum spanischen Hof bringen. Dort übergibt der Mann dem König ein Buch, das den Weg zur legendären Quelle der ewigen Jugend führen soll. Die Spanier rüsten daraufhin eine Expedition, geleitet von einem namenlosen Offizier (Jaenada), die zur Quelle aufbricht.

Unterdessen soll in London über den Piraten Jack Sparrow gerichtet werden. Vor Gericht landet jedoch nicht Jack, sondern sein früherer erster Offizier und langjähriger Freund Joshamee Gibbs (McNally), der von den Engländern für Jack gehalten wird. Der echte Sparrow (Depp) verkleidet sich als Richter und verurteilt Gibbs zur Kerkerhaft. Danach besticht er den Gefangenenkutscher und versucht, mit Gibbs zu fliehen. Während der Flucht berichtet Jack, dass er nach London gekommen ist, um Nachforschungen über einen Betrüger anzustellen, der in seinem Namen eine Crew anheuert. Auch fragt Gibbs Jack über dessen Plan, nach der Quelle der ewigen Jugend zu suchen, aus. Leider verläuft die Flucht nicht wie geplant, da der Kutscher die beiden stattdessen im St. James Palace abliefert, wo Jack vor König George II. (Griffiths) geführt wird. Der König verlangt von Jack, dass dieser eine Expedition zur Quelle begleite, die unbedingt vor den Spaniern das Ziel erreichen muss. Leiter der Expedition ist niemand geringeres als Jacks alter Rivale Hector Barbossa (Rush), der nach dem Verlust der Black Pearl (und seines rechten Unterschenkels) als Freibeuter in Diensten des Königs steht. Jack flieht auf spektakuläre Weise aus dem Palast und trifft vor einer Kneipe auf seinen Vater, Captain Teague (Richards). Dieser rät ihm, sich noch besser über die Quelle zu informieren, bevor er dorthin aufbricht; so bräuchte man noch drei besondere Gegenstände und ein bestimmtes Ritual, damit die Quelle tatsächlich ewige Jugend verleiht. Da in derselben Kneipe auch der falsche Jack Sparrow seine Crew anheuert, entschließt sich Jack, sich dem Betrüger zu stellen, der sich letztlich als seine ehemalige Geliebte Angelica (Cruz) herausstellt. Jack und Angelica müssen vor Gardisten fliehen, und Angelica schafft es letztlich, Jack zu überwältigen und mit Hilfe eines Zombies zu betäuben.

Unterdessen stellt Barbossa Gibbs vor die Wahl, entweder zu sterben oder ihm einen Hinweis auf den Aufenthaltsort von Jack zu geben. Gibbs eröffnet Barbossa daraufhin, dass er Jacks Karte zur Quelle gestohlen hat und verbrennt diese im Anschluss, da er sie auswendig gelernt hatte und somit nun von Wert für Barbossa ist. Barbossa begnadigt ihn schließlich und nimmt ihn als Teil seiner Crew auf.

Jack erwacht schließlich an Bord der Queen Anne’s Revenge, dem Schiff des berüchtigten Piraten Blackbeard (McShane), der mithilfe seines Säbels Tauwerke kontrollieren kann und zudem über Voodoo-Kräfte verfügt. Da sie Blackbeard zunächst nicht zu sehen bekommen, entschließen sich Jack und der Rest der Crew zur Meuterei. Diese scheitert jedoch, als Blackbeard seine Kajüte verlässt und mit Hilfe seiner Kräfte die Meuterei niederschlägt. In der Folge stellt sich heraus, dass Angelica Blackbeards Tochter ist und beide nach der Quelle suchen, da Blackbeards Quartiermeister, der die Zukunft vorhersehen kann, dem Piraten eröffnet hat, dass dieser innerhalb von zwei Wochen durch die Hand eines einbeinigen Mannes sterben wird. Danach brechen sie auf, um den ersten Gegenstand zu suchen: die Träne einer Meerjungfrau.

In einer Bucht versuchen die Piraten nun, die Meerjungfrauen anzulocken, um eine gefangen nehmen zu können. Dabei werden Teile der Mannschaft als Köder in Booten auf dem Meer ausgesetzt, während die anderen am Strand mit Netzen auf die Meerjungfrauen warten. Der Pirat Scrum (Graham) schafft es schließlich, mit seinem Gesang Tamara (Ward), die Königin der Meerjungfrauen anzulocken. Als diese ihn schließlich zu einem Kuss in die Tiefe ziehen will, eskaliert die Situation, und es kommt zum erbitterten Kampf zwischen den Piraten und den Meerjungfrauen. Erst am Ende des Kampfes schafft es der junge Missionar Philip (Claflin), eine Meerjungfrau, die er später auf den Namen Syrena (Bergès-Frisbey) tauft, festzuhalten, bis die Piraten sie gefangen nehmen können. Während der anschließenden Reise durch den Dschungel kommen sich Philip und Syrena näher, da der junge Geistliche der Meerjungfrau mehrfach zur Hilfe kommt.

Unterdessen erreichen auch Barbossa und seine Mannschaft die Bucht mit den Meerjungfrauen, in der sein Schiff zerstört und seine Mannschaft erheblich dezimiert wird. Daraufhin macht sich Barbossa mit dem Rest seiner Leute auf den Weg, um die anderen beiden Gegenstände zu finden: zwei Kelche aus dem Besitz von Ponce de Leon.

Auch Jack macht sich auf den Weg zu den Kelchen, nachdem er von Angelica das genaue Ritual erfahren hat: Zusätzlich zur Träne und den Kelchen wird noch ein Opfer benötigt. In beide Kelche wird Wasser aus der Quelle gegeben, in einen auch die Träne. Der zu Verjüngende trinkt aus dem Kelch mit der Träne, das Opfer aus dem anderen. Daraufhin werden dem einen die Lebensjahre des Opfers zugerechnet, während dieses stirbt. Als die Piraten versuchen, die Meerjungfrau zum Weinen zu bringen, reagiert Syrena trotzig und vergießt keine Träne, selbst als Philip, der sich in sie verliebt hat, augenscheinlich von einem Zombie getötet wird. Philip wurde jedoch nur betäubt und macht sich direkt nach seinem Erwachen auf, um Syrena zu retten. Als diese vor Freude weint, stellt sich heraus, dass das eine Falle von Blackbeard gewesen ist, um die Träne zu bekommen. Jack trifft unterdessen im Wrack von Ponces Schiff auf Barbossa, doch die beiden finden die Schatulle der Kelche leer vor, da die Spanier ihnen zuvor gekommen sind. Jack und Barbossa versuchen, die Kelche zu stehlen, werden aber gefangen genommen. Während der Gefangenschaft eröffnet Barbossa Jack, dass es Blackbeard war, der ihm die Black Pearl gestohlen hat, und es Barbossa einzig darum geht, sich an Blackbeard zu rächen. Jack schafft es daraufhin, sich und Barbossa zu befreien und letztlich sogar die Kelche zu stehlen.

Als Jack zusammen mit Gibbs wieder auf die Piraten trifft, tauscht er das Leben von Gibbs und seinen Kompass gegen die beiden Kelche ein. Jack lässt Gibbs mit dem Kompass zurück, während er selbst mit den Piraten zur Quelle zieht. An der Quelle treffen sie auf die Engländer und die Spanier, wobei letztere die Quelle lediglich zerstören wollen. Unterdessen kämpfen die Piraten gegen die Engländer, wobei Blackbeard und Angelica von Barbossas vergifteter Klinge verwundet werden. Jack, der Angelica immer noch liebt, will versuchen, ihr Leben zu retten, doch die Kelche wurden vom Spanier beschädigt und in eine Untiefe geworfen. Syrena, die inzwischen von Philip gerettet worden ist, bringt Jack jedoch die Kelche zurück. Jack vollzieht nun das Ritual und hält Vater und Tochter die Kelche hin. Angelica möchte sich für ihren Vater opfern, und Blackbeard greift ohne weiteres zu dem Kelch, in dem laut Jack auch die Träne von Syrena ist. Als Angelica aus dem anderen Kelch getrunken hat, eröffnet er den beiden, dass er die Kelche vertauscht hat, so dass es letztlich Angelica ist, die weiterleben darf.

Barbossa verlangt nun Blackbeards Schiff und Crew als sein Eigentum und zieht mit ihnen von dannen. Er verbrennt seinen Brief, zieht seine Piratenkleidung an und fährt mit seiner neuen Crew nach Tortuga.

Philip, der bei dem Kampf an der Quelle schwer verwundet worden ist, liegt an dem Teich, an dem er Syrena gerettet hatte. Diese bietet ihm an, ihn zu retten, wenn er darum bäte. Er bittet sie um Vergebung, woraufhin sie ihn ergreift und mit ihm in der Tiefe verschwindet.

Unterdessen setzt Jack Angelica, die wieder auf ihn wütend ist, auf einer einsamen Insel aus und hinterlässt ihr eine Pistole mit nur einer Kugel. Als Jack die Insel wieder verlässt, schießt Angelica auf ihn, ohne ihn zu treffen.

Am Strand einer anderen Insel trifft er auf Gibbs, der ihm seinen Kompass zurückgibt. Gibbs eröffnet Jack, dass er die Miniaturausgabe der Black Pearl zusammen mit dem Rest von Blackbeards Sammlung aus der Queen Anne’s Revenge stehlen konnte. Beide sind ratlos, wie sie die Pearl aus der Flasche befreien könnten und verschwinden aus dem Bild.

Im Abspann wird noch gezeigt, wie Angelica die Voodoo-Puppe von Jack findet und schmunzelnd in Besitz nimmt.

 

Kritik:

Nach dem Abschluss der alten Pirates-Trilogie wird hier ein Neuanfang versucht: Regisseur Gore Verbinski wurde durch den seit “Chicago” bekannten Rob Marshall ersetzt, von den Charakteren sind lediglich Jack Sparrow, Hector Barbossa, Joshamee Gibbs und die Nebenfiguren Lt. Groves und Lt. Gillette übrig geblieben. Dafür eine neue Story, neue Charakter und eine Schwerpunktverlagerung: Gerade der Wechsel zu Jack Sparrow als unumstrittener Hauptfigur ist für die Geschichte ein riesiger Vorteil, genau wie im Vergleich zu den Vorgängern geradlinigere Handlung. Gerade in dem Bereich kehrt man stärker zu den Anfängen zurück, was dem Film eigentlich nur nützt.

Schauspielerische Bestleistungen kann man in einer Abenteuer-Action-Fantasy-Komödie zwar nicht erwarten, aber Johnny Depp spielt den etwas exzentrischen Captain Jack sehr routiniert, und auch die Schlagabtausche mit Geoffrey Rush oder Penélope Cruz sitzen. Zudem wirkt Ian McShane in der Rolle des finsteren Piraten Edward Teach alias Blackbeard überzeugend bösartig und unheimlich. Neben den guten Hauptdarstellern fallen die Nebendarsteller mit Ausnahme von Kevin McNally eher durch schwächere Auftritte auf. Gerade die Chemie zwischen Sam Claflin und Àstrid Bergès-Frisbey stimmt meiner Meinung nach nicht besonders, was aber auch an der fehlenden Erfahrung der jungen Spanierin in großen Produktionen liegen kann. Ein großes Lob gebührt übrigens Penélope Cruz, die trotz ihrer Schwangerschaft ihre Rolle mit viel Einsatz verkörpert hat und nur in einigen Fällen von ihrer Schwester Monica gedoublet werden musste.

Was die Inszenierung insgesamt betrifft, so fällt leider erneut auf, dass sich bei Realfilmen die 3D-Technik nur lohnt, um dem Bild ein bisschen mehr Tiefe zu geben. Davon abgesehen ist es doch ganz angenehm, dass man auf den heutzutage üblichen CGI-Overkill verzichtet hat und stattdessen mehr Wert auf Stunts und solide Kameraarbeit gelegt hat. Gerade in den Kampfszenen fällt auf, dass die Schnitte teilweise zwar recht schnell sind, das Bild aber zu jeder Zeit gut erkennbar ist. Generell wirkt das Bild nicht hektisch, selbst in dem temporeichen Passagen des Films kann der Zuschauer alles detailliert sehen, ohne sich von künstlichen Bildunschärfen und gewollten Verwacklern irritieren lassen zu müssen.

Musikalisch bietet der Film nicht allzu viel neues. Der Bombast-Soundtrack der alten Trilogie von Hans Zimmer funktioniert immer noch, und die neu für diesen Film geschriebenen Stücke passen wunderbar ins Gesamtgefüge. Auch bei den Soundeffekten merkt man, dass sich die Mitarbeiter auf gewohntem Terrain befinden, so gibt es dort keine gröberen Aussetzer.

 

Fazit:

Mit dem neuesten Teil macht sich das Pirates of the Caribbean-Franchise nicht nur auf zu fremden Gezeiten, sondern man schafft es, der Story wieder neues Leben einzuhauchen. War man in den letzen Teilen gefangen in einer überladenen Story mit zwei eher blass agierenden Hauptcharakteren, so wirken Jack und Angelica als Duo weitaus lebhafter als Will Turner und Elizabeth Swann. Zwar konnte Rob Marshall das Rad nicht neu erfinden, aber die neue Story und die neuen Charaktere passen sehr gut in das Piraten-Universum hinein. So bietet “Fluch der Karibik 4” über zwei Stunden durchaus gute Popcorn-Unterhaltung, die nicht nur Fans der Serie begeistern kann. Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob man wirklich den Aufpreis für die 3D-Version bezahlen will, da die Technologie in diesem Film nur etwas mehr räumliche Tiefe erzeugen kann, ohne plastische Effekte zu schaffen. Ansonsten kann ich diesen Film durchaus empfehlen.

 

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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