Kino Review: Assassin’s Creed

Assasin's Creed 2016

 

Regie: Justin Kurzel

Sprecher: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Charlotte Rampling, Brendan Gleeson, Michael K. Williams

Laufzeit: 116 Minuten

Kinostart in Deutschland: 27. Dezember 2016

FSK: ab 16 Jahren
Nach einer ziemlich langen Pause schaffe ich es endlich mal wieder, eine Kino-Review zu schreiben. Und nicht nur irgendein Review, sondern tatsächlich zu einem Film, der frisch in den Kinos erschienen ist. Wer nicht riskieren sollte, von meiner kleinen Review gespoilert zu werden, sollte jetzt besser aufhören zu lesen; dem Rest wünsche ich viel Spaß.

 

Zur Handlung:

Der Film beginnt mit einem Rückblick ins Mittelalter. Dort wird der Orden der Assassinen gezeigt, der wo ein Assassine auf das Kredo des Ordens eingeschworen wird. Danach folgt ein weiterer Rückblick, allerdings nur ins Jahr 1986 in die Baja California. Der junge Cal versucht sich an einem Sprung mit seinem Fahrrad, scheitert jedoch. Als er nachhause zurückkehrt, sieht er seine tote Mutter (Essie Davis) in der Küche sitzen. Sie wurde von Cals Vater (Brian Gleeson) ermordet, der Cal zur Flucht rät, während vor dem Haus verschiedene Fahrzeuge vorfahren. Cal flieht, während US-Beamte seinen Vater stellen.

Ein Sprung in die Gegenwart. Cal (Fassbender) sitzt nach dem Mord an einem Zuhälter im Huntsville Staatsgefängnis ein, wo er durch eine Giftspritze getötet wird. Dachte er zumindest, denn einen Tag später wacht er im Beisein von Sophia Rikkin (Cotillard) in einer Rehabilitationsanstalt der Abstergo Foundation in Madrid auf. Ohne größere Erklärungen wird Cal in ein Gerät namens Animus gesteckt, das ihm ermöglicht, die Erinnerungen seines Vorfahren Aguilar de Nerha erneut zu durchleben. In seiner ersten Reise in sein genetisches Gedächtnis erlebt er, wie Aguilar den Sohn des Sultans von Granada aus den Händen der katholischen Spanier zu befreien versucht. Gerade, als Aguilar den Jungen vor einem Abgrund gerettet hat, unterbricht Sophie die Regression.

Im Laufe der Zeit erfährt Cal, warum die Abstergo Foundation ihn vor dem Tod bewahrt hat: Cal ist der letzte Nachkomme einer Reihe von Assassinen, und sein Vorfahr Aguilar war der letzte, in dessen Besitz sich der Apfel von Eden befindet, ein Artefakt, das den genetischen Code für den freien Willen enthalten soll. Schon seit dem Mittelalter versucht der Templerorden, dieses Artefakt in seinen Besitz zu bringen, um den freien Willen und damit auch die Neigungen der Menschen zu Gewalt und Krieg auszuschalten. Alan Rikkin (Irons), Sophias Vater und Inhaber von Abstergo, hat der Anführerin der Templer, Ellen Kaye (Rampling) versprochen, aus Cals Erinnerungen den Aufenthaltsort des Apfels herauszufinden.

Eine zweite Regression Cals zeigt Aguilar bei der Flucht vor einer Hinrichtung, bei der er sich mit seiner Gefährtin Maria (Ariane Labed) vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen retten kann. Es folgt eine wilde Verfolgungsjagd durch die Häuser Andalucias, bei der Maria und Aguilar bis auf die Spitze eines hohen Turms klettern. Als Aguilar von dem Turm in die Tiefe springt, bricht Cal die Regression ab und kann nur mit Mühe von Sophia und den herbeieilenden Sanitätern gerettet werden.

Nach diesem Zwischenfall schaltet sich Alan aktiv ein und bietet Cal eine Chance, sich an seinem Vater zu rächen. In einem Trakt der Einrichtung bringt er Cal und seinen Vater Joseph (jetzt gespielt von Brendan Gleeson) zusammen. Joseph erklärt Cal, was hinter den Planungen der Abstergo Foundation steckt; diese Thesen waren Cal auch schon von anderen Insassen, allen voran einem Voodoo-Assassinen namens Moussa (Williams) genannt worden, doch bis dahin hat Cal sie immer wieder verworfen.

Nach der Konfrontation mit seinem Vater kehrt Cal freiwillig zum Animus zurück und startet eine Regression. Diese führt ihn nach Granada, wo inzwischen der Sohn des Sultans gegen den Apfel von Eden getauscht werden soll. Der Sultan (Khalid Abdallah) stimmt dem Tausch zu, doch bevor die Katholiken mit dem Apfel den Palast verlassen können, greifen Agular und Maria ein. In dem Kampf wird Maria von dem schwarzen Ritter Ojeda (Hovik Keuchkerian) getötet. Aguilar kämpft in der Folge selber gegen Ojeda und schafft es, ihn mit Hilfe einer Handgelenksarmbrust Marias zu überwältigen und zu töten. Danach flieht Aguilar vor den Truppen der Templer aus dem Palast und rettet sich mit dem „Leap of Faith“ von einer Brücke.

Die Mechanik des Animus wird von dieser Aktion überlastet und bricht zusammen. Dennoch reicht die Leistung des Systems noch aus, um zu zeigen, wem Aguilar am Ende den Apfel überlassen hat: Christoph Columbus. Während die Rikkins nun alle Informationen haben, die sie haben wollten, und die Einrichtung verlassen, kommt es durch die übrigen Nachfahren von Assassinen zu einem Aufstand, bei dem die übrigen Wachen überwunden werden können. Cal hat unterdessen eine Vision seiner Vorfahren, deren Erinnerungen er in sich aufsaugt, und in welcher seine Mutter ihn das Kredo der Assassinen rezitieren lässt. Danach versucht Cal, den Helikopter der Rikkins zu verfolgen, doch dieser ist schon zu weit von der Einrichtung entfernt, um noch abgefangen werden zu können. In Sevilla finden die Rikkins schließlich das Artefakt im Grab von Columbus.

Bei einem Festakt der Templer in London soll der Apfel von Eden den übrigen Mitgliedern des Templerordens präsentiert werden. Unter die Gäste haben sich jedoch auch Cal und Moussa gemischt. Als es zur großen Präsentation des Apfels kommt, greifen die Assassinen ein, Cal tötet Alan Rikkin und flieht mit dem Apfel. Über die Leiche ihres Vaters gebeugt entschließt sich Sophia, ihre Forschungen zum Ende der Gewalt fortzuführen und schwört Cal Rache.

 

Kritik:

Da ist er also: Der nächste Versuch, aus einem durchaus erfolgreichen Videospiel-Franchise einen Film zu konzipieren. Und wie so viele ähnliche Filme leidet auch dieser unter dem Problem, dass man mehr oder weniger in die Handlung geworfen wird. Der Animus, der Orden der Assassinen, der Kampf gegen die Templer und Abstergo mögen für die Fans der Spielereihe bekannte Begriffe sein; dem durchschnittlichen Filmbesucher werden die Begriffe und Hintergründe jedoch viel zu spät erklärt. Immerhin dürfte den Fans noch gefallen, dass sich in der Abstergo-Einrichtung noch viele Assassinen-Waffen befinden, die aus den einzelnen Videospielen bekannt sein sollten.

Diese Liebe zum Detail in solchen Fragen spiegelt sich leider nicht im gesamten Film wider. Während die Sequenzen im Animus sehr spektakulär und spannend gestaltet sind, ist die gesamte Gegenwartshandlung sehr langatmig und dröge. Hinzu kommt, dass man es bei der Konzeptionierung der Story leider vergessen hat, einen Sympathieträger in die Handlung einzubauen: Cal ist ein griesgrämiger Kerl mit einem Hang zur Gewalt, Sophia distanziert-analytisch. Ihr Vater ist eindeutig ein megalomanischer Schurke, und selbst Nebencharaktere wie Moussa erscheinen bestenfalls dubios, was die Identifikation mit den Charakteren extrem erschwert. Dass der vorhandene Cast um Top-Schauspieler wie Michael Fassbender und Marion Cotillard es nicht schaffen kann, den Figuren Leben einzuhauen, zeugt davon, wie viel Potenzial in dieser Geschichte einfach nicht genutzt wird.

Um wenigstens einen positiven Aspekt nennen zu können, nenne ich die audiovisuelle Umsetzung der Story zuletzt. Der Film ist gerade in den historischen Szenen ganz auf Bombast gepolt, der auf der großen Leinwand am besten wirkt. Wenngleich der Film vor CGI strotzt und man das Gefühl hat, dass die nur eine historische Szene am PC entstehen lassen wollten, wirkt das mittelalterliche Andalucia mit der gewünschten Pracht…sofern man bei einer umkämpften Stadt von Pracht sprechen kann. Trotz des ungemein häufigen Einsatzes von CGI zeigt sich doch gerade in den Actionszenen, dass auch viel klassische Stuntarbeit eingesetzt wurde. Gerade Stuntleute mit Parkours-Erfahrung haben sich dort profilieren können, aber auch die Kampfszenen sind lupenrein choreographiert und nicht nur halbherzig durchprogrammiert.

Zu der wuchtigen Mittelalteroptik gehört natürlich auch der passende Sound dazu. Die Dolby-Anlage im Kino konnte vor sich hin wummern und dröhnen und wurde in den Kampfszenen gut ausgelastet. Lediglich der reguläre Soundtrack klang ein bisschen so, als hätte sich der Komponist ein bisschen zu sehr am THX-Sound orientiert. Wenn man davon absieht, passt die akustische Untermalung immerhin gut zu den Szenen.

 

Fazit:

Assassin’s Creed ist eindeutig die Art Film, die für das Kino gemacht ist: bombastische Soundeffekte, große Bildeinstellungen und durchaus packende Actionszenen sprechen für den Film. Leider schafft es der durchaus hervorragende Cast nicht, aus der durchaus drögen Story mehr rauszuholen bzw. diese etwas zu überspielen. Am Ende bleibt Popcorn-Kino, das zwischen kurzweiliger Action und langatmigen Szenen hin- und herwechselt wie zwischen mehreren Zeitebenen. Da die Story evident der Auftakt für eine längere Filmreihe bieten soll, verbleibt nur zu hoffen, dass die Produzenten bei einer eventuellen Fortsetzung die Fehler des Auftakts bedenken und sie in Zukunft zu vermeiden versuchen.

Bewertung: 5 von 10 Punkten.

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