Closing Time…

In den letzten Wochen ist ein Lied immer wieder in meiner Playlist aufgetaucht: Closing Time von Semisonic. Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass ich in letzter Zeit wieder mehr Indy-/Alternative Music aus den 1990ern höre, sondern weil dieser Song einen Nerv bei mir trifft. Schließlich befinde ich mich gerade auch in einer Situation, in der es für mich Zeit ist, mit einigen Themen abzuschließen.

Die Lehrjahre sind vorbei…

Der wichtigste Punkt ist: Mit Ablauf des heutigen Tages bin ich nicht mehr bei ParaComp in Rheinbach beschäftigt, und damit geht ein Lebensabschnitt vorüber, der fast 4 Jahre gedauert hat. Und ich habe dem Inhaber Rolf Bock über die letzten Jahre wirklich viel zu verdanken, insbesondere aber, dass er mir zweimal eine Perspektive geboten hat, als ich mit dem Rücken zur Wand stand.

 

Wir schreiben das Jahr 2013

In diesem Jahr endete meine Beurlaubung zur Pflege meines Vaters, und damit auch jeglicher Anspruch aus staatlichen Sozialleistungen, den ich hatte, weil ich zu diesem Zeitpunkt kein ordentlicher Student war (ordentlich im Sinne von „regelmäßig zu Vorlesungen gehen und Prüfungen ablegen“; ich bin zwar bereits seit 2010 scheinfrei, gelte aber dennoch als ordentlicher Student und habe damit nur eingeschränkt Anspruch auf Unterstützung durch den Staat), und damit hatte das Problem, dass ich wieder schauen musste, ob und wie ich an Geld komme. Schließlich hatte ich Rechnungen zu bezahlen, meine Krankenkasse selber zu tragen usw. Aus diesem Grund war mir nach kurzer Zeit klar, dass ich zumindest einen neuen Nebenjob benötigen würde. Diesem habe ich auch relativ schnell finden können, und für die Übergangszeit habe ich mir auch den Studienkredit der KfW holen müssen. Die Tatsache, dass dieser Studentenjob bereits nach 3 Monaten mangels Vertragsverlängerung zu Ende war, hat mich dann doch darüber nachdenken lassen, dass ich vielleicht doch über eine Ausbildung nachdenken sollte. Schließlich war die Situation relativ belastend zu diesem Zeitpunkt:

  • Ich war bereits 30 Jahre alt;
  • Ich hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung;
  • Die Chancen, das Studium zeitnah abzuschließen, waren eher gering, trotzdem brauchte ich dringend Geld;
  • Meine Perspektiven waren insgesamt eher überschaubar;
  • Dass ich nicht wusste, wie es mit meinem Vater und mir weitergeht, stellte eine zusätzliche Belastung dar.

Dennoch habe ich mich erst entschieden, es danach noch einmal in einem Teilzeitjob zu versuchen: als Datenerfasser für einen Versicherungskonzern, vermittelt über eine Zeitarbeitsfirma. Nach weniger als einer Woche in dem Job habe ich dann doch feststellen müssen, dass ich mit dieser Aufgabe unglaublich unterfordert gewesen bin. Geld verdienen ist zwar gut, aber auch da war die Arbeit recht überschaubar, und das Projekt hatte einen relativ festen Abschlusstermin. Natürlich hätte ich mich bis dahin durchhangeln können und hätte sicherlich auch eine Chance gehabt, mich danach länger in anderen Projekten zu halten, aber es hätte mich nicht besonders erfüllt. Aus diesem Grund habe ich mich schon nach 2 Tagen in dem Job entschieden, mich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu machen. Durch den Studentenjob, den ich bei einem IT-Unternehmen hatte, habe ich gesehen, dass es nicht nur für Informatiker und Programmierer möglich ist, in der IT zu arbeiten, und schon bevor dem finalen Entschluss habe ich mir die Optionen angeschaut, in denen ich mich im Bereich der IT sehen würde, und da bin ich auf die Ausbildungsberufe Informatikkaufmann bzw. IT-Systemkaufmann gestoßen. Und da ParaComp schon zu diesem Zeitpunkt seit mehreren Jahren mein Ansprechpartner für IT-Lösungen gewesen ist, lag es für mich nahe, mich dort zu bewerben. Glücklicherweise war in diesem Jahr noch ein Ausbildungsplatz frei, so dass ich nach einem Wochenende Bedenkzeit den Vertrag unterschreiben konnte. Damit konnte ich noch im Schuljahr 2013/14 in die Ausbildung starten, welche ich dann im Januar 2016 nach einer Verkürzung erfolgreich abschließen konnte. Leider gab es damals keine Chance, direkt übernommen zu werden, weswegen ich mich nach der Ausbildung in ein anderes Unternehmen verabschieden musste.

 

2016: Die Rückkehr

Doch ich konnte nicht lange in dem neuen Unternehmen bleiben. Wie sich herausgestellt hat, haben die dortigen Erwartungen und meine nicht zusammengepasst, so dass ich schon nach knapp 8 Wochen nicht mehr Teil des Unternehmens gewesen bin. Wirklich traurig war ich darüber nicht, da ich mich dort nicht besonders wohlgefühlt habe, was auch an dem Unterschied zwischen Erwartungen und Realität lag. Jedenfalls dachte ich, dass es nicht so schlimm sein kann, da ich mit meinem Abschluss sicherlich schnell wieder einen Job finden würde. Dachte ich…effektiv bin ich über 6 Monate lang von Pontius zu Pilatus gerannt, um irgendwelche Vorstellungsgespräche zu bekommen, aber die einzigen Zusagen, die ich bekommen habe, waren Kurzzeitprojekte oder irgendwelche fachfremden Vertriebsarbeiten (Callcenter bzw. Hausiererjobs), aber nachdem mich eine frühere Episode in einem Callcenter beinahe in eine Krankenhaus getrieben hat, war ich nicht besonders geneigt, diese Stelle anzunehmen. Zum Glück hat die Agentur für Arbeit in diesem Fall Verständnis gezeigt und mir einige Wahlfreiheiten gelassen. Zudem bekam ich die Chance, einige Weiterbildungen zu absolvieren, die mir auf dem Arbeitsmarkt bessere Möglichkeiten bieten sollten. Dennoch wurde auch meine Zeit langsam knapp: Da mein ALG vorrangig auf meinem Ausbildungsgehalt basiert, war es mir eigentlich kaum möglich, meinen Lebensunterhalt komplett abzudecken. Nicht nur, dass mein Dispo immer wieder am Limit war, auch langfristig war es nicht möglich, irgendwie aus dem ganzen Sumpf der Arbeitslosigkeit rauszukommen. Da habe ich die Info erhalten, dass der letzte festangestellte Mitarbeiter bei ParaComp das Unternehmen verlassen hat, so dass Rolf Bock mir zumindest die Möglichkeit bieten konnte, in Teilzeit und befristet einzusteigen. Mehr war zum damaligen Zeitpunkt nicht abzusehen, aber es hat mir doch lange Zeit helfen können.

 

2017

Lange habe ich versucht, meine Zeit hier noch zu verlängern. Eine Option bestand darin, das Unternehmen zusammen mit einem früheren Mit-Azubi aufzukaufen, doch je länger sich die ganzen Planungen mit den Banken zogen, desto mehr musste ich mich da wieder rausnehmen. Schade drum, aber ich kann es mir leider nicht leisten, wieder ins ALG zu fallen. Glücklicherweise war es wohl einfacher, sich aus einem laufenden Arbeitsverhältnis zu bewerben, und so werde ich ab dem 01.06.2017 als Datenschutzkoordinator bei der Firma 2B Advice GmbH in Bonn anfangen. Und wenngleich ich mich auf die Aufgabe freue, so blicke ich doch wehmütig zurück auf die letztlich über 3 Jahre, die ich in der Summe bei ParaComp angestellt gewesen bin. Und wenngleich ich nicht immer einer Meinung war mit meinem Chef, so muss ich mich jedoch dafür bedanken, dass er mir die Chance gegeben hat, mich einer Herausforderung zu stellen, an ihr zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln. Erfahrungen, die ich in meiner weiteren Berufspraxis auf die eine oder andere Art sicherlich wieder einsetzen kann. Und wie schon Semisonic in ihrem oben erwähnten Hit gesungen haben:

„Every new beginning comes from some other beginning’s end.“

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